Radeln in der dunklen Jahreszeit
Es ist wieder MeMadeMittwoch, der erste in diesem Jahr und ich zeige euch heute meinen tragbaren Probemantel für Herbst und Winter.
Seit ein paar Monaten nehme ich regelmäßig an geführten Radtouren teil. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass meine normale Garderobe dafür nicht immer passend ist. Gerade im Winter passt mein Woll-Vogue-Mantel nicht soo gut 😉 in eine Gruppe von Radlerinnen und Radlern, die ansonsten überwiegend sportliche Kleidung tragen. So kam ich auf die Idee, mir eine fahrradtaugliche Herbst-Winter-Jacke beziehungsweise einen Mantel zu nähen.
Nach einer längeren Suche nach einem Schnittmuster, das zu mir passt und trotzdem ein bisschen sportlich ist, bin ich beim „Hooded Coat Pepernoot“ von Waffle Patterns gelandet. Von dem Label habe ich bereits die „Cookie Blouson“ genäht und war sehr zufrieden mit dem Schnittmuster und der Anleitung.
Laut Maßtabelle hätte ich Größe 42 nähen sollen. Nach dem Ausmessen der Schnittteile kam mir das jedoch sehr groß vor, deshalb habe ich mich für Größe 40 entschieden. Auch diese hatte noch mehr Mehrweite als meine anderen Mäntel.
Einzig die Kapuze des Pepernoot-Schnitts hat mir nicht gefallen. Ich habe sie daher durch den Kragen und den Halsausschnitt der „Jacket Kikyo“, ebenfalls von Waffle Patterns ersetzt.

Außerdem wollte ich gerne reflektierende Elemente im Mantel haben und bin so auf reflektierende Paspeln gekommen. Im Hellen sind sie sehr unauffällig, im Dunklen im Straßenverkehr aber hervorragend sichtbar. Durch diese beiden Änderungen hat sich die Nähreihenfolge schon deutlich verändert, sodass ich mir wieder einmal eine eigene Anleitung schreiben musste. Im Laufe des Projekts kam noch die Idee hinzu, ein herausnehmbares, warmes Futter zu integrieren. Dafür habe ich die Futterschnittteile vom Pepernoot verwendet und mir die Technik für das herausnehmbares Futter beim Kikyo-Schnitt abgeschaut. Zusätzlich hatte ich mir noch das Schnittmuster „23+ Pockets“ von Waffle Patterns gekauft, davon habe ich letztlich aber nichts verwendet.

Bei meiner Recherche zu dem Schnittmuster bin ich bei PatternReview auf den Mantel von „Sewin in the Rain“ gestoßen, sie hat hinter den im Schnitt vorgesehenen den aufgesetzten Reißverschlusstaschen noch eine Eingriffstasche integriert. Die Idee hab ich gleich für mein Projekt auch übernommen. Ich hab paar mal den Auftrenner bemühen dürfen, bis ich raus hatte, wie ich die doppelte Tasche am besten nähe.

Der verwendete Softshell war ein reduzierter Stoff von Alles für Selbermacher. Zusätzlich hatte ich noch Stoffproben unter anderem von Snaply bestellt und vom Aussehen her würde ich sagen, dass beide Shops sehr ähnliche Softshells anbieten. Generell muss man sagen, dass bei Spezialshops für Outdoorstoffe wie Extremtextil oder FunFabric die Beschreibungen der Stoffeigenschaften deutlich besser sind. Angaben wie Wassersäule, Drei-Schicht-Laminat oder winddicht findet man in normalen Stoffshops leider eher nicht, was den Vergleich erschwert. Eventuell hätte man diese Informationen auf Nachfrage bekommen, dennoch finde ich, dass solche Angaben bei Spezialstoffen direkt in der Produktbeschreibung enthalten sein sollten. Für den richtigen Mantel habe ich einen hochwertigen Softshell gekauft. Ich bin gespannt, ob ich im Alltag einen Unterschied zum günstigeren Softshell merken werde

Bei den Fotos in diesem Blogpost habe ich ein bisschen geschummelt. Sie zeigen nicht den fertigen Mantel, sondern einen tragbaren Zwischenstand. Seit Oktober hatte ich mir vorgenommen, den Mantel richtig zu fotografieren, aber gefühlt war es einfach immer dunkel. Da demnächst der richtige Mantel fertig ist, wollte ich euch heute zumindest die Probeversion zeigen. Was auf den Fotos noch fehlt, sind unter anderem die Paspeln in den Ärmelnähten. Ich hatte mich bei der benötigten Menge völlig verschätzt und mir ging die Paspel mitten im Nähen aus. Da ich den Mantel aber unbedingt mit in den Urlaub nehmen wollte, um ihn an der Küste bei Wind und voraussichtlich kühleren Temperaturen zu testen, habe ich die Ärmel mit wasserlöslichem Garn eingenäht. So konnte ich sie später problemlos wieder auftrennen. Nachdem sich der Mantel im Urlaub bewährt hatte, habe ich die Ärmel noch einmal abgenommen und mit Paspel erneut angenäht.

Der Mantel hat einen Zwei-Wege-Reißverschluss. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich den wirklich brauche, inzwischen bin ich sehr froh darüber. Der Mantel hat genau die Länge, bei der er beim Absteigen vom Rad hinten am Sattel hängen bleiben kann. Wenn ich den Reißverschluss beim Losfahren unten ein Stück öffne, passiert das nicht und ich komme problemlos wieder vom Rad herunter.

Genäht habe ich den Softshell mit einer 60er Microtex-Nadel, die Absteppungen mit einer Topstitch 90 in Gold. Damit ich zwischen normalem Garn und reflektierendem Garn für die Absteppungen nicht ständig wechseln musste, habe ich für die Absteppungen meine gute alte Gritzner-Nähmaschine verwendet. Mit zwei Maschinen zu arbeiten, war in diesem Fall sehr komfortabel.
Ich bin sehr froh, dass ich diesen tragbaren Probemantel genäht habe. Für die endgültige Version habe ich noch weitere Anpassungen vorgenommen, unter anderem am Kragen, und die Nähreihenfolge weiter optimiert. Der Stoff des finalen Mantels ist ein reflektierender Softshell, der keine Fehlstiche verzeiht.
Änderungen in der Übersicht:
- Kragen anstelle von Kapuze von Kikyo Schnittmuster (inkl. dazugehörigem Halsausschnitt)
- Paspeln an den meisten Nähten hinzugefügt
- Untere Teil vom Mantel um 4 cm gekürzt
- Ärmel gekürzt
- Futter anstelle fest eingenäht, herausnehmbar gemacht, dabei an Kikyo Schnittmuster orientiert.
- keine Einlage verwendet – da der Softshell genug Stand hatte
- Absteppnähte mit reflektierendem Garn genäht
- Aufhänger hinzugefügt
- Kanten der Belege mit Schrägband versäubert
- Sleeve Tabs weggelassen – stattdessen ein reflektierendes aufbügelbares Band verwendet
- Saum anstelle umschlagen, einen Saumbeleg erstellt und eine Paspel zwischengefasst
- Taschen:
- Position der aufgesetzten Taschen geändert
- Eingriffstasche bei aufgesetzter Tasche hinzugefügt
- Ins herausnehmbare Futter auch eine kleine Tasche integriert
Viel Spaß beim Lesen der anderen Posts, die aufm MeMadeMittwoch Blog verlinkt sind. Dort zeigt heute Ina vom Fitzladenblog eine Rückschau einiger ihrer Projekte vom 2025, u.A. einen wunderschönen blauen Mantel.
Schnittmuster: „Hooded Coat Pepernoot“ von Waffle Patterns sowie Teile von „Jacket Kikyo“
Material: Softshell in Mint von Alles für Selbermacher, Futter „Steppstoff“ von Kattun, 2-Wege-Reißverschluss, 2x Reißverschluss für herausnehmbares Futter, kurze Reißverschlüsse für Taschen, Madeira Garn reflektierend, Schrägband, Falzfummi (Kantenversäuberung herausnehmbares Futter), Gummiband, Abdichtband aufbügelbar (Fun Fabric), Bügelbild hinten (Alles für Selbstmacher), Bügelbild innen (vermutlich Kathy and the maschine), Steam – a – Seam: temp befestigen von den Labels und für die zweite Runde des Schrägbands da man es so gut vorm Nähen befestigen kann und vorm Bügeln auch noch re-plaziert werden kann, aufbügelbares reflektierendes Band (Ärmelsaum)
Änderungen: siehe Text
Fazit: bin sehr begeistert von meinem Softshell Mantel

8 Kommentare
(drei)he fecit
7. Januar 2026 um 23:07
Sehr schön, endlich mal wieder ein Peppernoot Mantel. Wenn du wüsstest wie lange dieser Schnitt bereits bei mir auf Umsetzung wartet. Ich möchte zwar einen Wollstoff mit Fischgratwebung verarbeiten, aber an eine Reflektorpaspel hatte ich auch gedacht. Eben wegen der Sichtbarkeit am Fahrrad. Softshell wäre natürlich auch eine Alternative. Ich werde dein weiteres Vorgehen also mit Interesse verfolgen. Vielleicht gebe ich mir auch endlich einen Ruck.
Liebe Grüße, heike
Denise
8. Januar 2026 um 10:48
Wow, dein Mantel gefällt mir schon richtig richtig gut! Wie toll wird dann erst der voll reflektierende Mantel. So viele tolle Details, schöne Farben…
Ich glaube ich muss mir dringend auch mal eine neue Softshelljacke nähen…
Liebe Grüße
Denise
Anja
8. Januar 2026 um 15:28
Im November bin ich auch oft im Dunkeln geradelt und war kurz davor, mir so eine Sicherheitsweste über zu ziehen, erstmals fühlte ich mich echt mit den vielen schnelleren E-Bike Radlern und Lastenradpedelecs unsicher auf der Straße. Deine Lösung und der richtige Mantel, den du auf Instagram ja schon teils vorgestellt hast, sind eine so elegante Lösung. Mal sehen, ob ich nächsten Winter aufs Rad steige, ich Moment nehme ich wieder die U-Bahn, lg Anja
Mein Lebensspiel
8. Januar 2026 um 17:16
Sehr schick – und das ist nur der Probemantel? Würde sagen, definitiv mehr als ein tragbares Probemodell. Steht dir sehr gut und wird dir auf dem Rad gute Dienste tun. Sichtbarkeit ist das A und O. Daran muss ich im Winter tatsächlich auch noch stark arbeiten, auch wenn ich v.a. in Neben- und Seitenstraßen auf dem Dorf unterwegs bin.
LG Miriam
Kuestensocke
8. Januar 2026 um 17:23
Ein wunderbare Jacke – so akkurat genäht und für alle Wetterlagen geeignet. Die Reflektorpaspel ist ein tolles Detail! LG Kuestensocke
dreißigGrad
10. Januar 2026 um 8:27
Liebe Muriel, ich bin immer wieder begeistert, mit welcher sorgfalt auch Probeteile bei dir entstehen. Sehr schönes Teil. LG deine Claudia
Heike
10. Januar 2026 um 20:59
Dein Probemantel sieht toll aus, die Paspel ist eine gute Idee.
Lg, Heike
Nria
15. Januar 2026 um 16:30
Sieht super aus! Der Mantel steht auch auf meiner To Sew-Liste … danke für den ausführlichen Bericht und die Anregungen 🙂
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