WKSA 2025: Finale … irgendwo zwischen Frust, Stoffschatz und vielleicht doch Liebe

Mit ein wenig Verspätung reihe ich mich nun auch in die Finalrunde des Weihnachtskleid Sew Alongs ein. Zuallererst möchte ich dem gesamten MeMadeMittwoch Team danken für all eure Arbeit, vieles davon unsichtbar hinter den Kulissen, um Monat für Monat den MeMadeMittwoch zu organisieren und zusätzlich noch so schöne Aktionen wie den Weihnachtskleid Sew Along auf die Beine zu stellen.

Mein Projekt in diesem Jahr war das Trägerkleid „Anya“ von Unraveling Stitches. Im ersten Teil habe ich euch bereits einige meiner geplanten Änderungen vorgestellt. Das zweite Treffen hatte ich ausgelassen und im dritten Teil nur angerissen, dass mir zwischendurch ein wenig die Luft ausgegangen ist und ich vier Probe Oberteile gebraucht habe, bis ich wirklich zufrieden war.

Am Ende habe ich meinen Frust über den Schnitt heruntergeschluckt und trotzdem weitergemacht. Einfach mittendrin aufgeben und den WKSA nicht zu Ende führen ging dann doch nicht. Rückblickend bin ich sehr froh darüber, denn der nervigste Teil mit den Schnittanpassungen war ja zu dem Zeitpunkt schon geschafft und ich musste „nur“ noch nähen. Mit dem Endergebnis bin ich sehr zufrieden. Ich fühle mich in dem Kleid einige Jahre jünger als 40 Jahre plus. Das ist sehr ungewohnt. Mal sehen, wie sich das Kleid im Alltag machen wird.


Auf Instagram hatte ich euch gefragt, wo ich die schöne Webkante am Kleid unterbringen könnte, damit der Schriftzug der Tula Pink „Elisabeth“ Kollektion einen Platz bekommt, auch wenn vermutlich nur sehr wenige Menschen mit dieser Information überhaupt etwas anfangen können. Vielen Dank für eure vielen Tipps. Entschieden habe ich mich schließlich dafür, den Schriftzug am Ende eines der Schleifenbänder zu platzieren. Je nachdem, wie die Bändel fallen, sieht man ihn oder eben nicht.

Das Kleid trägt sich sehr gut. Rückblickend denke ich, dass ein einfarbiger Stoff aktuell vielleicht besser zu mir gepasst hätte und weniger jugendlich gewirkt hätte. Trotzdem bin ich sehr froh, dass ich diesen lange gehüteten Stoffschatz nun endlich angeschnitten habe

Der Rollkragenpulli unter dem Kleid ist auch neu. Da habe ich mal wieder das „Schlauchkleid“ Schnittmuster von ehemals „The Couture“ verwendet. Das ist immer noch bei Lieblings-Rollkragen-Schnittmuster. Der Stoff ist ein weicher Rippjersey von MeterMeter.

Vielen Dank an alle, die meinem Blog nun schon im 15. Jahr die Treue halten und immer mal wieder vorbeischauen und kommententieren. Dies bedeutet mit sehr viel!

Bevor ich jetzt noch etwas ausführlicher auf den Schnitt eingehe, schicke ich euch erst einmal rüber zum MeMadeMittwoch Blog, wo ihr die wunderschöne Vielfalt der diesjährigen Weihnachtsoutfits bewundern könnt. Ich bin jedes Jahr wieder begeistert von der Kreativität und dem Können aller!


Und falls es jemanden interessiert, geht es hier jetzt noch weiter mit dem Schnittmuster.

Das Kleid „Anya“ scheint bislang das einzige Schnittmuster dieses Labels zu sein. Es ist schon vor ein paar Jahren erschienen, dennoch findet man auf Instagram nur sehr wenige genähte Versionen. Mit rund 16 Euro war es auch kein Schnäppchen, aber das Design hat mich so angesprochen, dass ich das Risiko eingehen wollte. Die Anleitung ist sehr professionell aufbereitet und es gibt ein dazugehöriges Video.

Bei meiner Recherche ist mir aufgefallen, dass mehrere genähte Versionen in größeren Größen ähnliche Passformprobleme zeigen. Die Träger kreuzen sich im Rücken sehr weit oben und das seitliche Vorderteil, das unter dem Arm nach hinten läuft, endet deutlich früher als es die Fotos von dem Schnittmusterlabel und wie die technischen Zeichnungen vermuten lassen würden (Auf den Fotos geht das Vorderteil über ca. 1/3 der Rückenbreite). Genau diese Punkte waren auch meine größten Herausforderungen. Da mir der angedachte Look jedoch sehr gut gefallen hat, habe ich so lange angepasst, bis das Kleid an mir tatsächlich so aussah wie auf den Schnittmusterlabel-Fotos. Meine laienhafte Vermutung ist, dass der Schnitt ursprünglich vor allem in kleineren Größe getestet wurde und es für andere Größen keine oder nur wenige Tests gab. Anders kann ich mir die deutlichen Unterschiede schwer erklären.

Nach dieser Erfahrung würde ich das Schnittmuster in anderen Größen als der Beispielgröße vor allem motivierten Personen empfehlen oder man muss sich darauf einstellen, dass das Kleid im Rücken anders sitzt als gedacht. Dennoch schade finde ich es schade, dass es von diesem Label bisher nur dieses eine Schnittmuster gibt, denn das Design ist wirklich raffiniert und lässt viel Potenzial erahnen.

Am Oberteil habe ich unter anderem in der vorderen Mitte einen Zentimeter herausgenommen und die Prinzessnaht angepasst. Das seitliche Vorderteil habe ich um etwa vier Zentimeter verlängert und einen Keil entfernt, damit der Stoff unter dem Arm besser anliegt. An den Trägern habe ich vorne einen kleinen Keil herausgenommen, damit sie flach liegen. Die hintere Platzierung der Träger habe ich aus optischen Gründen verändert, sodass sie nun am Ende des seitlichen Vorderteils angenäht werden. Die Träger werden eigentlich hinten zwischen Futter und Oberstoff zwischen gefasst, da ich aber die Länge der Träge gerne erst am Ende final festlege, habe ich hier die Nähreihenfolge geändert und die Ende der Träger erst am Ende per Hand innen als Oberteil genäht. Am Ausschnitt und den Trägern habe ich noch eine graue Stretchpaspel eingenäht und statt eines Verschlusses mit zwei D Ringen habe ich mich für Bändel entschieden, die in der hinteren Mitte zu einer Schleife gebunden werden.

Am Rockteil habe ich bei beiden Nahttaschen mal wieder nahtverdeckte Reißverschlüsse eingenäht. Zudem habe ich die Taschenbeutel vergrößert und die Form so geändert, dass der obere Teil der Taschenbeutel in der Taillennaht mitgefasst wird. Der Rock wurde gekürzt, leider habe ich vergessen mir zu notieren, um wie viel. Der von mir ausgesuchte Patchworkstoff war mit 1,1m eigentlich zu schmal für die Rockteile (das stand auch in der Anleitung), aber ich habe bisschen getrickst und an der vorderen Rockbahn unten an der Seite am Saum jeweils einen kleinen Keil hinzugefügt. Bei dem gemusterten Stoff sieht man es nur, wenn man sehr nah ran geht.

angesetzter Keil im Rockteil, da mein Stoff nicht breit genug war

Außerdem habe ich den Rock komplett gefüttert, vorgesehen war ursprünglich nur ein kleiner Beleg an den hinteren Rockbahnen.

Theoretisch habe ich nun ein sehr gut angepasstes Kleid, trotzdem weiß ich noch nicht, ob ich es ein weiteres Mal nähen werde. Vieles wird davon abhängen, wie oft ich es im Alltag tatsächlich trage. Vielleicht packt es mich irgendwann doch noch einmal.

Schnittmuster Kleid: „Anya“ von Unraveling Stitches
Material: Baumwolle Tula Pink Stoff aus ihrer „Elisabeth“-Kollektion (mint auf dunkelgrau, mit Segelschiffen und Pelikanen), graues Viskosefutter (hatte ich sogar noch daheim), Stretchpaspel, G700 Einlage (Oberteil komplett), 3x nahtverdeckte Reißverschlüsse (auch alle vom Bestand – 2x Taschen, 1x hintere Rocknaht)
Änderungen: einiges – sieht Text oben
Fazit: Hab mich an Heiligabend sehr wohl in dem Kleid gefühlt, wir werden sehen, wie es sich im Alltag macht.

Schnitt Rollkragenpulli: Schlauchkleid von The Couture
Material: „Derby Ribbed Jersey“ (95% Tencel 5% Elasthan) von Meet Milk, schmales Band zur Stabilisierung der Schulternaht
Änderungen: Seitennaht abgeändert
Fazit: aktuell ist dies mein Basic-Herbst-Winter-Shirt-Schnitt, habe mind. 5 Versionen davon.

Unterschrift Muriel

7 Kommentare

  • Mel

    31. Dezember 2025 um 13:09

    Ich bewundere jedesmal deine Geduld bei so vielen Anpassungen und Änderungen. Aber es hat sich sowas von gelohnt, das sieht einfach klasse aus. Vor allem diese ganzen Übergänge bei denen das Stoffmuster so perfekt weiterläuft, da ist ja auch noch mal sehr viel Energie reingeflossen. Super tolles WKSA Projekt!

  • Anja

    1. Januar 2026 um 11:08

    Ich mag das Kleid sehr, finde es passt prima zu dir und schön, dass du jünger aussiehst, es mag ein komische Gefühl sein, aber du siehst eben wirklich darin aus wie vor 10 Jahren. Ich würde das Kleid genauso auch anziehen (und bin älter als du). Die Farbe, den Stoff mag ich sowieso, vermutlich ist das Material nicht ganz dünn, ich sehe es auch als Sommerkleid,vielleicht mit einem Shirt, vor mir. LG Anja und ein gutes neues Jahr noch …

  • Ellen

    1. Januar 2026 um 11:17

    Das Schnittmuster hat durch deine Änderungen viel gewonnen! Die große Schleife sieht angezogener aus und verstärkt den verspielten Charakter. Du siehst glücklich darin aus und es steht dir ausgezeichnet. Ich wünsche dir viel Freude damit!

  • Anonym

    1. Januar 2026 um 16:30

    Herzlichen Glückwunsch, du hast ein wunderschönes Weihnachtskleid gezaubert. Es steht dir super und paßt hervorragend nach all deinen Änderungen. Ich muß auch immer viel ändern, doch diese Geduld hätte ich nicht gehabt. Sehr schön, daß du das Muster genau abgepaßt hast an der Stelle, wo der Stoff nicht breit genug war, das sieht man wirklich nur aus der unmittelbaren Nähe. Als Sommerkleid mit einem T-Shirt drunter kann ich es mir auch sehr gut vorstellen, vielleicht magst du dir noch mal eines nähen, jetzt ist es ja angepaßt 🙂
    Ein gutes Neues Jahr und ich freue mich auf weitere Blogbeiträge.

  • Heike

    2. Januar 2026 um 12:08

    Liebe Muriel,
    dein Kleid sieht richtig toll aus, gut dass du nicht aufgegeben hast. Und der Rolli passt wunderbar dazu.

    LG, Heike

  • Kuestensocke

    5. Januar 2026 um 17:20

    Ach wie schön! So ein Stoffschatz ist schon toll und erst recht wenn er dann zu einem zauberhaften Kleid wird. Der Schnitt ist wirklich anspruchsvoll und bewundere Deine Geduld und dein Durchhaltevermögen!
    In jedem Fall drücke ich die Daumen, dass sich das Kleid zu einem Trageliebling mausert – es steht Dir ganz wunderbar!

  • Mein Lebensspiel

    7. Januar 2026 um 13:51

    Ein sehr schickes und schönes, zu dir passendes Weihnachtskleid!
    Auch ich kann es mir im Sommer sehr gut vorstellen. Oder auch mit einem Rolli/Longsleeve in dem Türkis-Ton.
    (Den Schlauchkleid-Schnitt habe ich auch gerade erst wieder als Shirt vernäht und bin wieder einmal mehr als begeistert. Ein tolles Basic!)

    LG Miriam

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