Mein Latzkleid und ich

Ich hatte letztes Jahr von Yacurama einen Gutschein vom Stoffladen „Lotti Klein“ bekommen. Den Laden haben wir beide entdeckt, als wir 2017 in Berlin waren. Da ich im Sommer Chrissy in Berlin besucht habe, hatte ich die Gelegenheit, mir den Stoff vor Ort auszusuchen, und obwohl ich mir in den letzten Jahren tendenziell nur einfarbige Stoffe für Kleidung gekauft habe, habe ich mir (mit etwas Überzeugung von Chrissy) einen wunderschönen Baumwollstoff von Cotton & Steel mit einem Druck von „Rifle Paper Co“ aus der Serie „Wildwood“ (Garden Party Navy) gekauft. Vor Ort war ich mir nicht sicher, was ich daraus nähen sollte, und ich habe sicherheitshalber genug Stoff für ein komplettes Kleid mit weitem Rockteil mitgenommen.

In den folgenden Wochen habe ich dann überlegt, was ich mir aus einem so wild gemustertem Stoff nähen könnte. Schlussendlich bin ich über ein paar sehr schöne Latzkleider auf Basis des Closet Core Patterns „Jenny Overalls“ auf Instagram gestoßen, u.A. von Mareike.Makes sowie von Anzymillblenk. Das konnte ich mir auch gut für mich vorstellen und der Jenny Overalls Schnitt war eh schon lange auf meiner Wunschliste, aber ich hatte bisher keine Begründung, warum ich den Schnitt brauchen könnte. Zusätzlich habe ich in meiner Schnittsammlung auch noch einen ähnlichen Schnitt „Cotton + Chalk: The Sunday Set“ aus UK gefunden, der in dem Simple Sewing Magazin dabei war.

Von den Fotos und der technischen Zeichnungen her fand ich den Schnitt von Closet Core Patterns viel schöner und war fest davon überzeugt, dass das in Kombination mit einem Tellerrock anstelle der Hose „mein“ Latzkleid werden würde. Wie immer habe ich zur Sicherheit erst Probeteile der Latzoberteile genäht und dann kam die Überraschung, der Latzteil vom Jenny Overalls hat mir überhaupt nicht an mir gefallen. Auch Änderungen in der Weite haben nicht viel gebracht. Dahingegen hat mir der super einfache Schnitt aus der Nähzeitschrift an mir super gut gefallen:

Links: Cotton + Chalk Latzkleid
Rechts: Closet Core Patterns Jenny Overalls
Rockteil bei beiden gleiches Probeteil von einem Tellerkleid

Ich finde es immer wieder interessant, wie manchmal meine Annahme, ob mir etwas steht oder nicht, so sehr abweicht von der Realität und ich bin froh, dass ich inzwischen eine umfangreiche Sammlung an Probeteilen habe, sodass ich schnell mal verschiedene Schnitte kombinieren kann. In diesem Fall hatte ich den Rockteil bereits als fertiges Probeteil und musste nur den Latzteil nähen.

Somit stand fest – es wird der einfache Schnitt. Jedoch hat mir das Taillenband und die Verarbeitung im Closet Core Schnittmuster besser gefallen als beim anderen Schnittmuster und so habe ich mich für eine bunte Mischung an Schnittmustern für das Latzkleid entschieden:

  • Latzteil inkl. Tasche und Träger: Cotton + Chalk
  • Bundschnitteile: Closet Core Patterns
  • Rockteil: Butterick B5984
  • Nahttaschen: B4443
  • Verarbeitungsweise des nahtverdeckten Reißverschluss mit Taschen in der Seitennaht: Dottodotstudio

Das Latzteil habe ich etwas verkleinert: 3,5cm in der Höhe und 1,5cm in der Breite. Der Reißverschluss sitzt wie im Jenny Overalls vorgesehen in der Seitennaht.

Um den Überblick über die Schritte nicht zu verlieren, habe ich aus den verschiedenen Anleitungen eine eigene zusammengeschrieben.

Besonders tricky beim Nähen fand ich den nahtverdeckten Reißverschluss in der Seitennaht, wo auch die Nahttasche war. Sehr nützlich war das Tutorial von Dottodotstudio. Der nahtverdeckte Reißverschluss macht seinem Namen nun alle Ehre und verrät sich nur durch den Zipper. 🙂

Seitennaht mit Nahttasche und Reißverschluss

Viel „Spaß“ hatte ich auch beim Zuschnitt der aufgesetzten Taschen vom Latz. Ich wollte, dass das Muster möglichst perfekt zusammenpasst. Das ist mir so gut gelungen, dass ich glaube, außer mir sieht keiner, dass da überhaupt eine Tasche ist … selbst ich vergesse immer wieder, dass das eine Tasche ist. 🙂

Das Kleid war eine spontane Idee kurzm vorm Sommerurlaub und ist nicht ganz fertig geworden. Den breiten Saum habe ich daheim noch vorbereitet, aber daheim nicht mehr geschafft per Hand zu nähen. Somit war mir am ersten Urlaubstag nicht langweilig und ich habe mich bei Regenwetter sinnvoll mit Nadel und Faden beschäftigen können.

Am Anfang habe ich angenommen, dass ich die Träger jedes Mal beim an und ausziehen abmachen muss, aber dadurch, dass es ein Latzkleid ist, lässt es sich gut über die Seitennaht ein- und aussteigen.

Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, sind die Fotos bereits im Sommer entstanden, aber das Kleid macht sich auch sehr gut im Winter. Ich habe es heute zu meinem 3. Corona-Impftermin getragen, anstelle eines T-Shirts habe ich es mit meiner dunkelblauen Adrienne Blouse und einer Stickstrumpfhose kombiniert.

Schnittmuster Oberteil: Adrienne Blouse von Friday Pattern Company
Material: Viskosejersey, BH-Trägergummi
Änderungen: den hinteren Ausschnitt am Schnitt (“Rücken teil” + Ärmel) höher, Ärmel verlängert und ohne Gummizug am Armabschluss, Oberteil um 3cm verlängert
Fazit: Ich liebe das Oberteil, leider ist die Stoffsuche dafür etwas tricky, der Stoff muss dünn sein, aber nicht zu dünn, dass die Unterwäsche sich zu sehr abzeichnet.

Schnittmuster T-Shirt: Plantain Variante A von Deer & Doe
Material: Baumwolljersey
Änderungen: Saum anstatt 1,5 Nahtzugabe mit 3 cm genäht
Fazit: mein Standard-T-Shirt

Schnittmuster Mix: Details siehe oben im Text
Material: Webware (Baumwolle) von Cotton & Steel mit einem Druck von „Rifle Paper Co“ aus der Serie „Wildwood“ (Garden Party Navy), nahtverdeckter Reißverschluss, drei Knöpfe, Hosenhaken (oder wie auch immer das heißt), Futterstoff, Baumwolleinlage für Träger, Latz, Latztasche, Taillenband
Änderungen: etliche siehe Text
Fazit: Ich bin sehr happy mit dem Kleid und fühle mich sehr wohl damit.

Unterschrift Muriel

8 Kommentare

  • yacurama

    19. Dezember 2021 um 11:39

    Da hast du echt einen sehr schönen Stoff ausgesucht und der Schnitt steht dir ganz wunderbar ♥️

    1. Muriel

      30. Dezember 2021 um 13:36

      Danke liebe Yacurama

  • 500 days of sewing

    19. Dezember 2021 um 12:57

    Wow das sieht sehr sehr toll aus. Ich hatte ja die Probephase etwas verfolgt und war nun ganz überrascht vom Ergebnis. Mit so einem bunten Musterstoff wirkt es wieder ganz anders. Ich glaube ich hätte ein Latzkleid eher mit einem Uni-Stoff genäht, aber das Ergebnis mit dem tollen Blumenstoff macht wirklich richtig gute Laune nur vom Ansehen!
    Glückwünsch zur tollen Latztasche! Aber auch zur gesamten Kombination der verschiedenen Schnitte und Techniken. Das Latzkleid ist großartig geworden.
    Und ich freue mich sehr über deine Booster-Impfung.
    Viele liebe Grüße,
    Melanie

    1. Muriel

      30. Dezember 2021 um 13:36

      Hi Melanie,
      vielen Dank für deine Rückmeldung zu meinem Latzkleid und meiner Impfung.
      Lieber Gruß,
      Muriel

  • Anonymous

    19. Dezember 2021 um 14:00

    Ich habe das Latzkleid ja gestern bereits bei Instagram gesehen, es hat mir spontan in bunt wirklich supergut gefallen, komisch, dass man üblicherweise denkt, Latzkleider müssen uni sein, ging mir auch so. Die Sommerversion mit dem schlichten T.-Shirt gefällt mir super, besser noch als die Winterversion mit der Adriennebluse, ich kann mir auch ein schlichtes Oberteil/Rolli langärmlig dazu vorstellen, perfekt mit der Strumpfhose. Aber die Bluse hattest du ja auch wegen des Arm frei machens an, wenn ich das richtig verstanden habe. Der Stoff ist sowieso toll! LGAnja

    1. Muriel

      30. Dezember 2021 um 13:34

      Hi Anja,
      auf die Idee ein Latzkleid in Bunt zu nähen kam durch die Inspiration durch andere Näherinnen. Ich selbst hätte auch nur an einfarbige Latzkleider gedacht.
      Lieber Gruß,
      Muriel

  • Denise

    20. Dezember 2021 um 11:14

    Das Kleid weckt Vorfreude auf Sommer! Obwohl es mit der Kombi zum Impftermin natürlich auch im Winter tragbar ist. Aber in Kombination mit dem T-Shirt (und Sonne ☀) gefällt es mir noch besser!
    LG Denise

    1. Muriel

      30. Dezember 2021 um 13:28

      Hi Denise,
      vielen Dank für deinen lieben Kommentar.
      Lieber Gruß,
      Muriel

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