Jedediah Pants für den Mann: Es ist geschafft

Endlich sind wir (der Mann und ich) mit seiner neuen Hose fertig. Angefangen haben wir irgendwann im Herbst letzten Jahres und dann mangels Motivation einer bestimmten Person 😉 lag das Projekt bis jetzt zu unserem Urlaub. Diese Woche haben wir dann an 2,5 Tagen noch dran genäht. Für die, die es nicht wissen, der Mann kann nähen – tut es nur nicht gerne. 🙂 Er hat sich bereits ein umfangreiches Steampunk-Outfit sowie diverse Gewandungen fürs “Mittelalter” genäht.

Ich neige zwar dazu, immer etliche Projekte in Projekttüten vorbereitet zu haben, das stresst mich auch gar nicht. Ich schätze es eher, wenn ich Auswahl habe, aber wenn ich mal mit dem Zuschnitt angefangen habe, ziehe ich die Projekte in aller Regel auch zeitnah durch. Soooo lange liegt hier sonst nichts und ich war mehrmals versucht, einfach alleine weiterzumachen, aber zusammen macht es einfach mehr Spaß zu nähen. Bin stolz auf uns, dass wir es zusammen durchgezogen haben. Die Arbeitsaufteilung war wie folgt: Ich habe die Arbeiten an der Nähmaschine gemacht, die Anleitung fürs nächste Mal geschrieben (sind zwischen drei Schnittmusteranleitungen hin und her gesprungen) und Arbeitsanweisungen gegeben (das war mein Lieblingsteil :-)). Den Zuschnitt, bügeln, stecken, Nahtzugabe zurückschneiden etc. hat der Mann gemacht.

Wie bereits erwähnt, ging es Ende Sommer letzten Jahres los, da meinte der Mann, dass er noch eine kurze Cargo-Hose gebrauchen könnte. Bisher hatte ich ihm “nur” eine Hose fürs Klettern mit Gummizug genäht. Dieses Mal sollte es eine richtige Hose mit Cargo-Taschen werden.

Bei Juniperkreativ habe ich ihre Variante der Jedediah Pants gesehen und den Schnitt dann auch gekauft. Im Vorfeld haben wir einiges am Schnitt geändert. Danke an Juniper für den Austausch darüber und Fröbelina für ihre Blogposts zu dem Schnitt. Dank der beiden war ich vorgewarnt, dass der Schnitt schmal ausfällt.

Der Mann wollte die Hose gerne knapp knielang und etwas weiter als im Schnitt vorgesehen. Es wurden pro Schnittteil fürs Bein unten am Saum, nach oben abnehmend, 1,5cm hinzugegeben. Außerdem waren Cargo-Taschen gewünscht. Die Schnittteile dafür hat der Mann anhand seiner Kauf-Cargo-Hosen erstellt. Wusstet ihr, dass so eine Cargo-Tasche aus gefühlten 500 Einzelteilen besteht?! – dem Taschenbeutel, der Klappe (zwei Stofflagen), rechteckige Verstärkung (welche hinter der Klappe und dem Eingriff liegt), sowie 4x kleine Quadrate als Verstärkung für die Druckknöpfe. Das macht pro Cargotasche alleine 8 Teile.  Ach ja, und die meisten der Teile müssen auch noch verstärkt werden. Wir haben sehr viele Stunden alleine für die Vorbereitungen benötigt, aber zu zweit bei guter Musik war das nicht so schlimm. Bis auf ein paar wenige kleine Stofffetzen haben wir den kompletten Stoff verbraucht und ich habe keinerlei Reststoff übrig. Das ist echt mal was Schönes.

Änderungen:

  • Beine etwas weiter
  • Hose auf ca. Knielänge gekürzt
  • Cargo-Taschen (2x) hinzugefügt
  • KEINE Schrägbandeinfassung gemacht. Ich hänge an meiner Lebenszeit. 🙂 Stattdessen mit der Ovi versäubert. Kappnähte an der hinteren Passe (Back Yoke).
  • Schablone für Absteppung der Schrittnaht erstellt
  • Bund an allen vier Kanten abgesteppt

Als Material hat der Mann sich einen mittelschweren dunklen Jeansstoff ausgesucht. Dazu kam dann noch ein babyblauer Totenkopf-Stoff (stabile japanische Baumwolle) für die Taschenbeutel.

Zu dem Schnitt gibt es einen Sew-Along von Threah Theory. Die eigentliche Anleitung empfand ich als sehr knapp gehalten. Ich hätte mir mehr Grafiken zu den Schritten gewünscht und habe mir bei etlichen Schritten die Anleitung der Ginger Jeans zur Hand genommen. Den Teil in der Anleitung, in der der Reißverschluss genäht wird, konnte ich anhand der Anleitung nicht nachvollziehen und habe den Teil komplett nach der Ginger Jeans Anleitung genäht. Ich habe dazu die von der vorderen Mitte gesehen zweite Markierung genommen. Jetzt beim Schreiben des Blogposts habe ich gesehen, dass es von Thread Theory ein Video zu dem Schritt gibt. Würde beim nächsten Mal trotzdem wieder die “Ginger-Technik” anwenden. Ich finde das Endergebnis sauberer. Bei der Ginger-Jeans gibt es ein eigenes Schnittteil als Schablone für die Absteppung am Reißverschluss, eine solche hat der Mann auch für den Schnitt erstellt.

Als wir die Hose letztes Jahr vorbereitet haben, wollte der Mann anstelle von normalen Po-Taschen Cargo-Taschen haben. Diese haben wir komplett vorbereitet. Als wir die dann jetzt an die Hose gesteckt haben, gefielen die doch nicht mehr und wurden wieder gestrichen. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, diese vielen vorbereiteten Teile wegzuwerfen. Vielleicht fällt mir ja noch auf, wo ich die aufnähen könnte.

Wenn ich Jeans nähe, verwende ich immer meine beiden Nähmaschinen. Die Absteppungen übernimmt die neuere Pfaff Maschine und die Nähte nähe ich mit der guten alten Gritzner. Mit nur einer Nähmaschine wäre ich ständig am Garn- und Stichwechseln. So ist es um einiges einfacher. “Leider” leide ich unter “nervösen” Oberschenkelzuckungen an der alten Nähmaschine, wenn ich versuche, mit dem Oberschenkel den Nähfüß abzusenken. 🙂 Ja, den Kniehebel der Pfaff Maschine möchte ich nicht mehr missen. Auch die Funktion des automatischen Vernähens und Faden abschneidens fällt einem dann erst richtig auf, wenn man zwischen beiden Nähmaschinen wechselt.

Wie oben erwähnt habe ich währenddessen auch noch eine eigene Anleitung geschrieben. Ich möchte beim nächsten Mal nicht nochmal zwischen der Anleitung für die Jedediah, Ginger-Jeans und der (auch selbstgeschrieben) für die Kletter-Cargo-Hose hin und her springen müssen. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir zusammen an diesem Projekt gearbeitet haben.

Schnitt: Jedenia Pants von Thread Theory Designs + selbst erstelle Schnittteile für Cargotaschen
Material: mittelschwerer Jeansstoff, Metallreißverschluss, Gewebeeinlage fest und leicht (G785 und G710), Jeansknopf, 4x Druckknöpfe, stabiler Baumwollstoff für die Eingrifftaschenbeutel
Änderungen: siehe Text
Änderungen fürs nächste Mal: Gürtelschlaufen wie bei der Ginger Jeans von Closet Case Patterns nähen (wird nicht so dick), längerer Reißverschluss (macht das Nähen leichter), Cargotaschen an der Seite etwas verkleinern.
Fazit: gut durchdachter Männerhosenschnitt, die Anleitung könnte detaillierter sein. Die geänderte Passform ist gut.

Kaum waren wir fertig, meinte der Mann, er könnte auch eine neue Daheim-Hose für den Sommer brauchen … ihr seht, mir gehen die Projekte nicht aus.

T-Shirt:
Das T-Shirt hatte ich ihm letztes Weihnachten geschenkt … auch hier “durfte” er mitarbeiten. 🙂 Die “reverse Application” auf dem T-Shirt ist an die Techniken von Alabama Chanin angelehnt (mehr Details in dem Blogpost zum Game of Thrones T-Shirt). Dieses Mal hatte sich der Mann als Motiv ein Logo aus einem Anime ausgesucht.

Das T-Shirt sollte schwarz sein aber das Motiv mit reinweißem Stoff hinterlegt. Ich war da sehr misstrauisch und habe versucht, ihn davon zu überzeugen, dass ein grauer Stoff besser wäre. Nicht, dass der weiße Stoff nach ein paar Mal waschen gräulich wird. Es half alles nichts, der Mann hat sich durchgesetzt. Nachdem das T-Shirt nun schon etliche Male gewaschen wurde, ist zu meiner Verwunderung das weiß immer noch weiß (habe es mit einem Reststoffstück verglichen). Das hätte ich nicht gedacht, schließlich landet das Shirt immer in einer rein schwarz befüllten Waschmaschine.

Auf diesem Foto kann man die Handstiche gut erkennen.

Nachdem ich dann schon bei der Stoffauswahl kein Mitspracherecht hatte, wollte ich wenigstens ein kontrastfarbenes Garn für die Handnähte auswählen. Nix da – der Mann wollte schwarz. Mir hat da ein bisschen das Herz geblutet, weil so sieht keiner, dass da überhaupt mit der Hand genäht wurde. Etwas grummelig habe ich mich dann dran gesetzt und war überrascht, wie schnell ich in den Flow rein kam und war sogar etwas enttäuscht, als ich viel zu schnell wieder damit fertig war. Diese Technik macht mir richtig Spaß, leider habe ich für mich selbst noch kein Motiv gefunden, somit muss ich immer warten, bis der Mann mal wieder eine Idee für sich hat.

Schnitt: Max von Pattydoo (ohne Änderungen)
Material: schwarzer Baumwolljersey, weißer dünnerer Jersey &  Bündchen.
Änderungen: keine
Fazit: Das T-Shirt wird gerne getragen. Das freut mich.

Unterschrift Muriel

Von
12

12 Kommentare

  • Zottellotte Sonja

    ganz toller Bericht – ich glaube, ich wäre verzweifelt, wenn ich in 3 Anleitungen hin und her lesen müsste. Von daher, ausgezeichnete Idee, selbst mitzuschreiben, wenn es denn im neuen Jahr eine Neuauflage geben soll/kann/darf/muss.

    Schönes Wochenende
    Zottellotte Sonja

    4. September 2020 um 9:52 Antworten
    • Muriel

      Hi Sonja,
      danke für deine liebe Rückmeldung. Ja, die drei Anleitungen haben mich echt wahnsinnig gemacht. Bin sehr froh, dass ich nun eine Anleitung fürs nächste Mal habe.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      4. September 2020 um 11:00 Antworten
  • Twill & Heftstich

    Respekt! Wir sind noch bei Max, obwohl das Shirt näht er inzwischen allein. Eine tolle Hose ist Euch beiden gemeinsam gelungen., überhaupt finde ich die Kombination sehr schön. Liebe Grüße, Manuela
    P. S. Ich mag den Teil mit den “Arbeitsanweisungen” ja auch sehr gern.

    4. September 2020 um 13:54 Antworten
    • Muriel

      Hi Manuela,
      das ist ja super, dass bei ihr auch beide näht.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      5. September 2020 um 12:31 Antworten
  • Julia

    Liebe Muriel,
    ich nähe meinem Mann auch gerade eine Jedidiah (die zweite für ihn nach dem Schnitt) , allerdings nach Schnitt nur mit ein paar Passformänderungen. Ich kann nur bestätigen, was das Einnähen des Reißverschlüsses angeht. Was bei meiner ersten Hosenversion dazu führte, dass das Ergebnis eher inperfekt ist. Das Video kannte ich noch nicht. Danke für den Tipp! Und die Cargotaschen merke ich mir auch!
    Lg
    Julia

    5. September 2020 um 7:09 Antworten
    • Muriel

      Hi Julia,
      die Anleitung für den Reißverschluss habe ich überhaupt nicht verstanden und wäre das meine erste Hose gewesen, hätte ich sicherlich gedacht es liegt an mir, dass ich das nicht verstehe. War froh, dass ich die Ginger Anleitung hatte.
      Viele Spaß beim Nähen der Hose.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      5. September 2020 um 12:33 Antworten
  • Juniper

    Mein Freund hatte auch die Idee, mir beim Nähen zu helfen, nachdem er diese Woche die dritte seiner kurzen Hosen verschlissen hat ;-). Mal sehen, ob es in die Tat umgesetzt wird… Eine eigene Anleitung schreibe ich mir mittlerweile zu den meisten Projekten, die ich nochmal nähen will, bzw auch nur für besondere Stellen (z.B. gleichzeitige Arm- und Hals-Ausschnittversäuberung mit gemeinsamen Beleg).
    Hose und Shirt sind wirklich toll geworden und ich hoffe, dass dein Freund seine Hose genauso gerne tragen wird wie mein Freund seine!

    5. September 2020 um 20:52 Antworten
    • Muriel

      Hi Juniper,
      ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg beim gemeinsamen Hosen nähen.
      Zu kniffeligen / umfangreichen Projekten schriebe ich inzwischen mir auch immer Anleitungen. Oft bevorzuge ich eine andere Reihenfolge als im Schnitt vorgesehen und da ich inzwischen sehr häufig Schnittmuster kombiniere / abwandle macht die orginale Anleitung auch keinen Sinn mehr.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      8. September 2020 um 10:35 Antworten
  • Schnitt für Schnitt

    Der Aufwand für die Cargotaschen – da kann ich dir 100%ig zustimmen. Mein Mann hat ja kürzlich eine ganz ähnliche Hose von mir bekommen, und das Nähen der Taschen hat gefühlt genauso lang gedauert wie der Rest. Aber schick sind sie geworden, bin richtig stolz darauf.
    Eure Hose ist schick geworden! Ging es zu zweit eigentlich schneller oder langsamer als allein? Und das T-Shirt ist mega, gefällt mir supergut! Toll, dass das weiß weiß bleibt. Farbfängertücher sollen dafür übrigens Geheimwaffen sein, bei mir funktionieren die auch gut.
    Liebe Grüße Christiane

    7. September 2020 um 8:36 Antworten
    • Muriel

      Hallo Christiane,
      Ja, stimmt die Cargotaschen sind soooo aufwändig aber die Mühe lohnt sich echt.
      Ich würde sagen, dass wir zu zweit schneller waren, da ich in der Zeit als er Zugeschnitten hat / Einlage aufgebügelt hat …. bereits nähen oder weiter an der Anleitung schreiben konnte.
      Danke für den Tipp mit den Farbfangtüchern.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      8. September 2020 um 10:37 Antworten
  • Tüt

    Ein schöner Bericht! Ich würde ja auch immer noch gerne für meinen Freund nähen, also, mit ihm zusammen (das Max von Pattydoo hat er auch in diversen Ausführungen), aber er weigert sich standhaft.
    Die Hose ist richtig gut geworden, und danke für die Warnung vor Cargo-Hosen 😉
    LG

    8. September 2020 um 8:59 Antworten
    • Muriel

      Hi Tüt,
      danke für deine Rückmeldung zum Blogpost.
      “Mann” muss auch Lust zum Nähen haben, das ist hier nicht anders. Deswegen hatten wir eine Pause von fast nem dreiviertel Jahr gemacht …. das Projekt wurde für ihn erst wieder interessant als er aus purem Hosenmangel sich daran machen musste 🙂
      Lieber Gruß,
      Muriel

      8. September 2020 um 10:39 Antworten

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