MeMadeMay Tag 14: Der Karostoff, der sich nicht bezwingen lässt

Fangen wir erst mal mit dem Schönen vom heutigen Tag an: Der Mann und ich haben den Tag genutzt und sind nach Frankfurt gefahren. Ich war seit Anfang März ja nicht mehr sooooo weit weg gewesen. War schon komisch, als wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen haben.

In Frankfurt gibt es zurzeit im “Historischen Museum” eine Ausstellung mit dem  Thema “Kleidung in Bewegung”. Ich hatte mich im Vorfeld auf der Webseite zu den aktuellen Corona-Vorschriften für das Museum informiert und das klang für mich okay. Ich liebe Ausstellungen zum Thema Mode und bin so schon “nur” wegen einer Ausstellung in London, Paris und diversen anderen Städten gewesen. Finde, das ist immer ein guter Aufhänger für einen Städtetrip. Wobei der heute definitiv anders war. Normalerweise erkunden wir dann immer auch noch die Städte, gehen essen …. das haben wir uns dieses Mal “gespart” und sind nur ins Museum, in die “Kleidung in Bewegung”-Ausstellung sowie die über “bewegte Kleidung”, und dann gabs noch eine Kugel Eis. Beide Ausstellungen fand ich sehr interessant und gut gestaltet.

Meine normale schwarze Strumpfhose ist gerade in der Wäsche, sodass endlich mal wieder die Katzen-Strumpfhose raus durfte. Fühle mich darin immer besonders neckisch. 🙂

Ich habe mir zwar schon Stoffmasken genäht, aber ich hatte noch keine passende für mein Outfit und ich kann ja schlecht in eine Modeausstellung gehen, ohne eine zum Outfit passende Maske zu haben.  So habe ich gestern Abend noch kurz eine aus einem Rest Karostoff genäht. Für mich selbst verwende ich am liebsten die Videoanleitung von HappyDanDong TV, allerdings mit Schlaufen und Jerseybändel. Innen nähe ich immer noch ein Stück dicht gewebten Baumwollstoff rein. Die Öffnung für einen zusätzlichen Filter lasse ich offen, ich habe auch M12er Einlage daheim, aber für mich selbst habe ich noch keine zusätzliche Einlage verwendet.

Das dunkelgrüne Karokleid habe ich Anfang des Jahres bei der AnNäherung in Bielefeld genäht. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich ein paar Monate später eine passende Maske dazu nähe, hätte ich die Person für übergeschnappt gehalten. Ja, so schnell kann sich das ändern.

Das Kleid hat mich unglaublich viele Nerven gekostet und ohne den guten Zuspruch von Chrissy, sowie den anderen Näherinnen beim Treffen, hätte ich das Projekt in die Ecke gepfeffert. Der obere Teil besteht im Prinzip aus den Teilen von meinen geliebten Yacurama-Kleidern aus den “Atelier Brunette”-Stoffen in dunkelblau und curry, der Rockteil ist “nur” ein Rechteck mit Nahttaschen und unendlich vielen Falten.

Ich musste einiges am Oberteilschnitt anpassen, so z.B. die Raffung aus dem Rückenteil entfernen, da ich wegen dem Karo gerne ein glattes Rückenteil haben wollte, das Taillenband wurde ins Oberteil integriert, die Schulterlinie wurde geändert … nachdem ich das alles erledigt hatte, dachte ich, jetzt kann es ja nur einfacher weitergehen, aber das Schlimmste stand mir erst noch bevor.

Ich habe mir in einem Schnittkonstruktionsbuch angeschaut, wie man einen Faltenrock “konstruiert” und bin schier daran verzweifelt. Dachte, ich würde die Anleitung auch verstehen, wenn ich keine Ahnung von Schnittkonstruktion hätte, weil es ja “nur” ein Karorock ist – ähhhhh, das hat nicht geklappt. Mein Plan war, dass sich die Falten jeweils vorne und hinten in der Mitte treffen.

Das Schnittteil, dass ich gezeichnet habe, hat überhaupt nicht gestimmt. Das habe ich allerdings erst gemerkt, als ich bereits alles zugeschnitten hatte und auf der AnNäherung in Bielefeld war. Ich habe mir auch diverse Anleitungen im Netz angeschaut, aber keine kam mir richtig vor. Der Vorschlag von Chrissy, dass sie Falten immer “aus der Hand legt, sodass es richtig aussieht”, hat bei mir nicht funktioniert und im Endeffekt hat sie mir gezeigt, wie die Falten gelegt werden. Da ich den Stoff schon zugeschnitten hatte, war das tricky, aber sie hat es geschafft. Man könnte meinen, das Drama war damit rum … nein, war es nicht.

Das Oberteil war zu dem Zeitpunkt schon fertig inkl. der Kopflöcher. Das Oberteil an sich hatte ich ja schon diverse Male vorher genäht und war mir sicher, die Länge stimmt, aber kaum hatte ich den gefütterten Karorock ans Oberteil geheftet, hat sich das Oberteil gedehnt und die Taille hing plötzlich zu tief. Also wurde nochmals die Taille eingezeichnet und der Rock nach oben versetzt. Nachdem ich das ganze Spiel dreimal gemacht habe und immer noch keine Ende der Ausdehnung des Oberteils in Sicht war, habe ich beschlossen, das das Kleid erst mal aushängen muss. Eines der bereits genähten Knopflöcher war inzwischen halb im Rock drin. Das überflüssige Kopfloch wird zum Glück durch den Gürtel verdeckt. Meine Lektion daraus ist, dass ich Knöpflocher lieber erst nähe, wenn das Rockteil dran ist. Ich bin also mit dem Projekt an dem Wochenende nicht fertig geworden. Stolz bin ich aber darauf, dass ich es geschafft habe, Nahttaschen auf der Seite des nahtverdeckten Reißverschlusses zu haben. Normalerweise bin ich dafür zu faul und habe dann nur eine Tasche auf der reißverschlusslosen Seite.

Einige Tage später, nachdem das Kleid Zeit hatte zum Aushängen, hatte ich den nächsten Versuch gestartet. Taille sah gut aus und ich konnte das Kleid endlich fertig nähen …. leider muss ich euch berichten, dass mir heute aufgefallen ist, dass vorne die Taille zwar noch stimmt (vermutlich dank der Knopfleiste, die den Rock “hält”), aber hinten der Rock schon wieder das Oberteil gezogen hat und jetzt schon wieder unterhalb der Taille hängt. Arghhhhhhh, dieser Stoff macht mich noch wahnsinnig. Ich habe keine Sekunde daran gedacht, dass der Faltenrock so schwer sein könnte. Die Nerven, den kompletten Rockteil jetzt ein weiters Mal abzutrennen, habe ich nicht … ich werde entweder hinten noch Fadengürtelschlaufen anbringen und so den Rock in der Taille halten oder evtl. von der Seitennaht auslaufend zur hinteren Mitte eine weitere Naht nähen und so den Rock “hochholen”.

Trotz des ganzen Ärgers mit dem Kleid trage ich es sehr gerne, auch wenn die Farben – dunkelgrün und schwarz – an mir ungewohnt sind. Der Karorock schwingt schön beim Laufen mit. Der Flanellstoff ist wunderbar weich und würde ich diesen nochmal wo finden, würde ich mir den nochmal kaufen, dann allerdings kein Kleid mit Faltenrock daraus nähen. Ich bin ja lernfähig. 🙂

Die Falten am Rockteil haben zum einen den Vorteil, dass die Nahttaschen überhaupt nicht auffallen, da diese sich in den Falten verstecken … der Nachteil ist aber, dass ich auch die Taschen selber nicht finde und gerade, wenn nichts drin ist, ewig suche, bis ich den Eingriff habe. 🙂

Schnitt: Oberteil: Schnitt meiner lieben Freundin yacurama, Rockteil: Karorock
Material: Karo-Flanellstoff, nahtverdeckter Reißverschluss, Knöpfe, Futter, schwarzes Wildlederimitat für Kragen und Manschetten, Einlage für Knopfleiste, Kragen, Manschette.
Änderungen: arghhhh, gefühlte 500
Fazit: ähhhh, ob ich jemals wieder ein Karokleid nähe, kann ich nicht sagen. Muss mich vom Falten legen erstmal erholen. 🙂 Das hat definitiv zu viele Nerven gekostet.

Unterschrift Muriel

Von
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4 Kommentare

  • Schnitt für Schnitt

    Du bist ja gerade mega-fleißig am Bloggen! Ein schönes Kleid, ich finde, es steht dir ausgezeichnet! Das der Rock so schwer ist, ist ja unglaublich, da braucht man echt eine Menge Nerven. Hat es sich gelohnt, für die Ausstellung nach Frankfurt zu fahren? Liebe Grüße Christiane

    15. Mai 2020 um 17:47 Antworten
    • Muriel

      Hi Christiane,
      ja, ich “muss” ja zur Zeit so viel bloggen. Dank der täglichen MeMadeMay Fotos fällt mir auf, wie viel ich noch nicht aufm Blog gezeigt habe.
      Mir hat die Ausstellung in Frankfurt gut gefallen. Diese war gut gemacht, sehr informativ und man kam nah an die Kleidungsstücke ran. Kann die beiden Ausstellungen empfehlen.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      15. Mai 2020 um 18:55 Antworten
  • Anja

    Hi, das Kleid in dem klassischen Stoff ist total schön. Da bist du ja ganz flott nach der Museumsöffnung drin gewesen, auf dem anderen Mainufer wurde ein paar Tage auch comme des garcons rei kawakubo eröffnet, im MAK, LG Anja

    17. Mai 2020 um 21:37 Antworten
    • Muriel

      Hallo Anja,
      Vielen Dank.
      Ja, ich hatte davon gelesen und da wir gerade Urlaub haben, hat es ganz gut gepasst. Unter der Woche war nicht so viel los in der Ausstellung und ich konnte in Ruhe die Stücke inspizieren. Vielen Dank für den Tipp zur Ausstellung im MAK.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      17. Mai 2020 um 22:25 Antworten

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