Mein armer Vogue-Mantel

Julia vom Blog “Tüt” hat im Rahmen ihres wöchentlichen Flickenfreitags (#flickenfreitag auf Instagram) nun eine monatliche Linkliste gestartet. Daran teilnehmen kann man sowohl via Instagram als auch mit dem Blog. Ich finde das großartig. Es gibt etliche Sachen, die ich Flicken sollte und mir nie die Zeit dafür nehme, und ebenso blogge ich nicht annähernd so viel, wie ich gerne würde.

Vor inzwischen schon fünf Jahren habe ich meinen ersten und bisher einzigen richtigen Wintermantel genäht. Damals gab es übers Jahr verteilt immer wieder tolle Sew-Alongs, die zum gemeinsamen Nähen aufgerufen haben. Das fand ich oft sehr motivierend und ohne die damals von der MeMadeMittwoch-Crew veranstalte Aktion hätte ich den doch recht aufwändigen Mantel sicherlich nicht genäht.

Dass es heute weniger privat organisierte (Blog)-Sew Alongs gibt, hängt vermutlich auch stark mit dem Blogsterben zusammen. Auf Instagram gibt es zwar auch immer wieder Aktionen, aber mich persönlich sprechen diese nicht so an – ein paar Fotos und bisschen Text können meiner Meinung nach keinen Blogartikel ersetzen. Via Instagram ist es zwar schön, bunte Bilder anzuschauen, aber einen richtigen Mehrwert bietet für mich immer noch eher ein Blogpost. Dennoch möchte ich Instagram nicht missen, das hat für mich andere Vorteile. Egal, darum sollte es jetzt eigentlich gar nicht gehen.

Zurück zum Mantel. Da es wie eben erwähnt mein einziger Wintermantel ist, trage ich den nun auch tatsächlich seit fünf Wintern täglich. Der Oberstoff hat sich sehr gut gehalten. Ich finde, diesem sieht man das Alter nicht an, aber das Futter hat mit der Zeit schon gelitten. Muss zugegeben, dass ich 2015 noch nicht auf die Garnqualität geachtet habe und für das Futter ein”historisch wertvolles” Garn von meiner Oma verwendet habe. Das hat farblich zwar super gepasst, aber war eben nicht mehr stabil genug. Inzwischen hatte ich das Futter an mehreren Stellen bereits mit neuem Futter hinterbügelt sowie Nähte ausgebessert.

Meine letzte Futterflickaktion ist jetzt auch schon bestimmt über ein Jahr, vielleicht auch länger, her gewesen und als ich mir vor kurzem beim Anziehen mal die Futterarmausschnitte angeschaut habe, bin ich erschrocken, in welch schlechtem Zustand das Futter war.

Der Futterstoff sieht zwar orange aus, besteht aber aus schwarzen Kettfäden und orange-roten Schussfäden. Die orange-roten Fäden sind an den durchs An- und Ausziehen stark beanspruchten Stellen komplett verschwunden und der Mantel wird an den Stellen nur noch von den Kettfäden gehalten. Somit hatte ich zum Glück noch keine Löcher, sondern “nur” schwarze instabile Stellen. Das hat mir das Flicken dennoch erleichtert. Nachdem also mein alter Plan nicht auf Dauer erfolgreich gewesen war, wollte ich es dieses Mal besser machen. Wobei ich sagen muss, an allen anderen Stellen hat meine alte Flickmethode bisher gut gehalten.

Mein neuer Plan war, mir aus den originalen Schnittteilen für Vorderteil, Rückteil und dem zweiteiligen Ärmel jeweils einen passgenauen Flicken zusammenzustellen und diesen dann am Armloch aufzunähen.

Glücklicherweise hatte ich von dem Futter noch übrig und konnte nun die Reste verwenden. Manchmal ist es gut, wenn man nicht alles “gleich” (nach 5 Jahren) wegwirft. 🙂

Also habe ich das Vogue-Schnittmuster rausgekramt und mir von jedem Schnittteil daraus ein passendes Teil für den Armausschnitt zusammengebastelt und zusammengenäht. Jedes Teil habe ich mit Vliesofix bebügelt, um später den Flicken ans Armloch bügeln zu können. Im Endeffekt ist so eine Art “Armblatt” entstanden, falls noch jemand diese Bezeichnung kennt.

Ich bin sehr froh, dass ich das Vliesofix verwendet  habe, es war schon ein größerer Aufwand, den Flicken überhaupt ans Armloch zu bügeln. Wenn da ein kompletter Mantel dran hängt, ist das schon eine Herausforderung. War froh, dass da gerade der Mann Zeit hatte und mir assistiert hat. Im Anschluss musste ich das Monstrum nur noch irgendwie unter die Nähmaschine bekommen und am Armausschnitt (Geradstich) und an den äußeren Kanten (Zickzack) festnähen. Da das Futter bei dem Mantel unten nicht angenäht ist, sondern frei hängt, kam ich einigermaßen gut an die Stelle ran und dank des Vliesofix blieb alles ohne Falten an Ort und Stelle und ich konnte mich rein aufs Nähen konzentrieren. Bin froh, dass ich es endlich gemacht habe (Danke an Julia für die Motivation) und hoffe, dass der neue Flicken nun viele Jahre halten wird.

Ohne Sew-Along-Motivation ist bisher auch kein weiterer Mantel in Sicht. Falls jemand Lust hätte auf einen Sew-Along, ich wäre dabei/könnte ihn organisieren, möchte nur nicht alleine nähen.

Schaut doch mal bei Julia aufm Blog vorbei, sie zeigt ihre geflickten Sticksocken. Ich hätte da ja auch ein Paar, bei dem ich das dringend machen müsste. Da ich selbst aber nicht stricke, traue ich mich aktuell da nicht dran.

Wer trägt auch noch seine Jacke/den Mantel von einem der Jacken-/Mäntel-Sew-Alongs der vergangenen Jahre?

 

Unterschrift Muriel

Von
3

Was Dir auch gefallen könnte:

3 Kommentare

  • Juniper

    Super Blogpost, danke für das Teilen deiner Reparaturidee!
    Ich würde mir unheimlich gerne einen Trench Coat nähen, komme wohl aber nicht vor nächsten Winter dazu. Ablso falls du aus irgend welchen Gründen so lange warten solltest, bin ich dabei 😉

    10. März 2020 um 19:46 Antworten
  • Twill & Heftstich

    Schön dass du den Mantel gerettet hattest und danke für den Reparaturtipp. Sehr gelungen. Das wird irgendwann auch auf mich zukommen. Gewöhnlich macht das Futter ja zuerst schlapp. Im Herbst würde ich mich auch zum Mantelnähen anschließen, falls Du warten magst. Liebe Grüße Manuela

    11. März 2020 um 9:51 Antworten
  • Tüt

    Liebe Muriel, danke für diese ausführliche Berichterstattung! Ich kann voll verstehen, was du meinst. Würde ich auf Instagram alles zu einem Kleidungsstück erzählen wollen, was ich zu sagen habe, würde das endlos werden. Ich mag den Blog wirklich nicht missen.
    Dein Mantel hat wirklich schon viel mitgemacht, irgendwie mag ich es ja auch immer, die Abnutzung zu sehen. Runtergeliebt, sagt meine Mama. Die Idee, einen Patch zu konstruieren, finde ich sehr gut und merke ich mir auf jeden Fall. Ich hatte kurz Gänsehaut, als es an das Annähen ging, weil ich dachte du müsstest die Wendeöffnung wieder aufmachen und das Monstrum da durchwurschteln und alles irgendwie nähen, aber das frei hängende Futter war eine große Erleichterung.

    Du kannst übrigens deinen Beitrag auch gerne in der Linkliste verlinken 😉 LG

    11. März 2020 um 19:07 Antworten
  • Gib einen Kommentar ein

    Durch das Absenden deines Kommentars stimmst du den Richtlinien zum Datenschutz zu.

    Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu und den Richtlinien zum Datenschutz zu. Datenschutzerklärung

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen