Hosen und ich: mal was ganz Anderes: ein Overall (Wearinghistory)

In den letzten Jahren ist mir alle paar Monate der tolle Overallschnitt von Wearinghistory über den Weg gelaufen. U.A. von JungscheBack to Blighty Vintage, Pinhouseplaymate, FlashbacksummerStar-Spangledheart). Das Schnittmuster fand ich von Anfang an Klasse, wusste aber nicht, warum ich so was brauchen könnte.

Beim Rock´n´Roll Weekender (Walldorf) mit Mann und Freundin (bei dem ich auch meinen Alltagspetticoat gekauft habe) hatte auch PoppyRay einen Stand. Ich fand es sehr nett, sie kennen zu lernen (inzwischen konnte ich sie auch in ihrem Studio in Berlin besuchen). Vor dem Walldorf Weekender war sie für mich “nur” ein Instagramprofil mit Shop.
Auf ihrem Blog interviewt PoppyRay Lauren, die Gründerin von WearingHistory.

Die Wearinghistory-Schnittmuster sind eher im höheren Preissegment angesiedelt, weswegen ich auch in den vergangenen Jahren immer gezögert habe, mir diesen so ganz ohne Anlass zu kaufen. Somit stand ich vor dem Schnittmuster und habe es wiedereinmal angehimmelt. Meine Freundin konnte sich mein Leiden wohl nicht anschauen und meinte, ich hätte eh noch nen offenen Gutschein bei ihr … der wird jetzt zum Schnittmustergutschein umgewandelt und sie hat mir spontan diesen wirklich sehr teuren Schnitt geschenkt. Ich war baff. @A.: Vielen vielen Dank dafür. Da ich in diesem Jahr für mich wieder das “Hosen-Motto” ausgerufen habe, passt das sehr gut. 

Vor Ort war ich mir unsicher wegen der Größe, ich lag genau zwischen zwei Größenspektren und hatte zur Sicherheit die Größere gekauft. Daheim kamen mir dann doch Zweifel. Dank dem tollen Service von PoppyRay wurde mir auf dem Postweg das Schnittmuster ausgetauscht. Größentechnisch bin ich jetzt am oberen Ende der Größenskala von Paket A.

Knopfleiste:
5x Jeansknöpfe und 1x Druckknopf (versteckt sich hinter der Tasche)

Das Schnittmuster basiert auf einem originalen 40er-Jahre-Schnittmuster. Für mich ist es das erste richtige “alte” Schnittmuster. Bisher hatte ich nur neu aufgelegte von Vogue/McCalls etc. genäht, bei diesen sind die Anleitungen auch für moderne Bedürfnisse geschrieben. 
Das Schnittmuster ist für “intermediate Sewist” gedacht und ich muss sagen, ja das stimmt. Man muss schon mehr mitdenken, wie bei den neueren Schnittmustern. Mit ein paar der Markierungen konnte ich nichts anfangen – die habe ich dann ignoriert.

Die Anleitung sieht für das Oberteil nur ein Schrägband als Beleg vor. Die Verarbeitung gefiel mir nicht so und so habe ich, eben so wie etliche andere Näherinnen dieses Schnittes, das Oberteil komplett gefüttert. Dadurch kam es zu etlichen Änderungen in der Anleitung. Im Endeffekt habe ich auch durch meine noch hinzugefügte Absteppung die Anleitung für mich nochmal neu geschrieben.

Es wird bei dem Schnitt explizit darauf hingewiesen, dass ein Probeteil notwendig ist. Da die im Schnitt enthaltene Mehrweite geringer ist als es heutzutage bei Schnittmustern üblich ist. Das Probeteil war schnell genäht. An der Hose habe ich außer der Länge nichts geändert. Beim Oberteil habe ich zwei Probeteil gebraucht.

Nachdem der Probeoverall schnell genäht war, hatte ich die Zeit, die ich für den richtigen Overall brauchte, vollkommen unterschätzt. Dachte, ich könnte den Overall im Laufe des Nähtreffens von Isabell fertig stellen, aber ich bin nicht mal ansatzweise fertig geworden. Das Absteppen hat ewig gedauert, sodass ich am Ende des Treffens noch nicht mal ne fertige Hose hatte, sondern nur Einzelteile (Träger, Oberteil, Oberteilfutter, halb fertige Hose).

Cecilia (Cecilia_Theresa_Design) hat bei dem Treffen ihre Ginger Jeans genäht und so haben wir uns meine gute alte Nähmaschine sowie ihre Ovi geteilt. Abgesteppt haben wir jeweils mit unseren normalen Nähmaschinen (in meinem Fall die Pfaff Performance 5.0 – genannt “SchnickSchnack”).
Letztes Jahr, als ich meine Ginger Jeans genäht habe, hatte ich noch nicht meine neue Nähmaschine, sodass ich Absteppen und Nähen mit einer machen musste. Das war schon sehr nervig mit dem ständigen Umfädeln. Mit zwei Nähmaschinen lief es schon viel entspannter.
Trotzdem war das Absteppen nicht ohne. An ein paar Stellen, gerade dort wo viele Lagen Jeans aufeinander waren, wurde der Oberfaden immer mal wieder nach unten gezogen. Das war nervig, aber so konnte ich “endlich” mal wieder den Nahttrenner verwenden.

Ich hatte meine gute alte Nähmaschine seit ein paar Monaten nicht mehr selbst genutzt (sie war nur noch für Nähgäste im Einsatz), sodass ich am Anfang an nervösen Oberschenkelzuckungen (fehlender Kniehebel) gelitten habe. 🙂 So, wie ich auch gerne mal vergessen habe, am Anfang zu vernähen, oder mit dem Fuß oben losgenäht habe. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an den  computergesteuerten Schnickschnack gewöhnt. Nach ein paar Nähten war ich aber wieder drin. Da ich meine alte nicht wegen Problemen, sondern nur wegen fehlendem Schnickschnack getauscht habe, hatte ich keine bedenken, die alte für ein Projekt einzusetzen.

Die Probehose hatte ich ohne Gesäßtaschen, wie im Schnitt vorgesehen, genäht. Dann haben mir doch Taschen gefehlt und ich habe die Ginger Jeans Tasche dort aufgenäht. Die habe ich für die richtige Version auch vorbereitet, inkl. Absteppung und dann schlussendlich nicht verwendet, da mir die Optik ohne Potaschen doch besser gefallen hat.

Vielen Dank an den Mann, der mir bei dem Anzeichnen der Knopflöcher, dem Anbringen der Jeansknöpfe und dem Hosensaum geholfen hat. 

Weitere Infos zum Schnitt:

Im Schnitt wird nicht erwähnt, wo Einlage rein soll oder ob überhaupt. Ich habe an folgenden Stellen Einlage verwendet:
Oberteil:
Im Bereich der Knöpfe für die Träger bei Futter und Oberstoff G785, eigentlich wollte ich noch G785 im Bereich der seitlichen Knopfleiste, die hab ich dann aber vergessen.
Frontfacing, dort gehen die Knopflöcher durch: G740
Backbinding, an dem Teil werden die Knöpfe befestigt: G785, würde beim nächsten Mal die festere G740
verwenden
Träger: eine Seite
jeweils komplett G785, bei der anderen nur die Spitze, wo später das
Knopfloch ist.

Damit der Übergang von Einlage zu Stoff nicht zu
abrupt ist, habe ich die Kanten bei allen Teileinlagen mit dem
Zackenrollschneider zugeschnitten.

Eine Anmerkung noch: Laut Anleitung sollen die Schnittteile 7+8 doppelt zugeschnitten werden, diese werden aber jeweils nur 1x benötigt.

Schnittmuster: 1940s Overalls, Playsuit, & Trousers Pattern von WearingHistory, Size Pack A, gekauft bei PoppyRay
Material: Jeans (vom Nähkontor), Prym Jeansknöpfe (lokal), Batist (Oberteilfutter, FrauTulpe), Einlage G740 und G785, Absteppungen mit Jeansgarn, 1x Druckknopf
Änderungen: Hose um einiges
gekürzt, Einlage verwendet – siehe Text für Details, Oberteil gefüttert
(anstatt Ausschnittbinding), Oberteil um ca. 1-1,5cm gekürzt (inkl.
Binding und Facing). An der Knopfleiste zu den fünf Jeansknöpfen noch hinter die Tasche ein großer Druckknopf.
Änderungen fürs nächste Mal: Schritt ist zu tief. Keine
Ahnung, warum mir das beim Probeteil nicht aufgefallen ist. Es stand
sogar im Schnitt, aber mir kam das Probeteil nicht sooo tief vor. Aber
ich müsste beim nächsten Mal da definitiv noch was wegnehmen. Oberteil hintere Mitte nochmal überprüfen, da könnte noch ein Keil weg.
Fazit:  Ich finde mich in der Hose sehr “süß”. Hatte etwas Bedenken, dass ich mich darin “rustikal” fühle, aber dem ist nicht so. Obwohl mir der Schnitt echt gut gefällt, kann ich mir momentan noch
keine weitere Version vorstellen. Jetzt muss sich das gute Stück erst
Mal in meinem Alltag bewähren. Wo ich den anziehe, weiß ich noch nicht.
Für die Arbeit kommt mir das Teil im Vergleich zu meinen Kleidern schon
sehr leger vor. Mal sehen.

Frau Kirsche hat eine ähnlichen Overall (Instagramprofil ist privat), den sie mit der Smooth Sailing Bluse von Wearing History kombiniert. Die Kombination gefällt mit sehr gut. Ich brauche jetzt
auch so eine Bluse. Bin mir nur nicht sicher, ob die Bluse dann auch
brav an Ort und Stelle bleibt oder sich komisch hocharbeitet. Ich werde es dann sehen.

Aber als nächstes steht jetzt der Rosie Overall von Mika Oh! an:

Von
16

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16 Kommentare

  • Martina Hadaller

    Süss trifft es ziemlich genau! Du ziehst den einfach an wenn Du mit dem Liebsten unterwegs bist. Für unten drunter – in einer Knip/Fashion Style war mal ein Blusenbody. Vielleicht wäre der was?
    LG
    Martina

    1. Oktober 2017 um 17:18 Antworten
    • Muriel

      Hi Martina,
      gute Idee mit dem Blusenbody. Ich glaube die Fashion Style könnte ich sogar hier haben.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      16. Oktober 2017 um 19:34 Antworten
  • Ute

    Liebe Muriel,

    Wie immer bewundere ich deine Geduld mit den schwierigen Schnittmustern. Zwei Probemodelle, wow! Ich finde den Overall toll! Ich hab leider nicht die Figur dafür, aber dir steht er sehr gut. Es ist bestimmt kein Modell für den Alltag, aber, selbst hier in der Provinz gibt es ein Event, da wäre das Outfit super passend.
    Und by the way, freu mich schon auf Würzburg!

    1. Oktober 2017 um 20:10 Antworten
  • Ute

    Liebe Muriel,

    Wie immer bewundere ich deine Geduld mit den schwierigen Schnittmustern. Zwei Probemodelle, wow! Ich finde den Overall toll! Ich hab leider nicht die Figur dafür, aber dir steht er sehr gut. Es ist bestimmt kein Modell für den Alltag, aber, selbst hier in der Provinz gibt es ein Event, da wäre das Outfit super passend.
    Und by the way, freu mich schon auf Würzburg!

    1. Oktober 2017 um 20:10 Antworten
    • Muriel

      Hallo Ute,
      danke, zumindest für Nähtreffen hat sich der Overall schon mehrmals bewährt. Mal sehen, welche Tragemöglichkeiten sich mit der Zeit noch ergeben.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      16. Oktober 2017 um 19:36 Antworten
  • Twill & Heftstich

    Sehr informativer Post, herzlichen Dank für die detaillierte Schnittbesprechung. Ich habe den Eindruck, die Süße kommt eher durch die Kombination von diesem Blau und Gelb als durch den Schnitt. Vielleicht hilft es, noch ein paar andere Farbkombinationen auszuprobieren. Bin sehr gespannt, wie Dein Urteil über Rosie ausfallen wird. Liebe Grüße, Manuela

    1. Oktober 2017 um 20:26 Antworten
    • Muriel

      Hi Manuela,
      danke für den Tipp es mal mit einer anderen Farbkombination zu versuchen. Ich schaue mal, was ich noch im Schrank bzw. Stoffvorrat finde.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      16. Oktober 2017 um 19:37 Antworten
  • mema

    Toll. Die Hose steht dir sehr gut und ist auch sehr sorgfältig verarbeitet. Irgendwie gefallen mir die historischen Latzhosen mehr. Schöner Gruß Mema

    2. Oktober 2017 um 6:40 Antworten
  • Onychophora

    Der Overall sieht wirklich gut an dir aus!
    Ich überlege auch schon länger was von Wearing History zu nähen (das hier und den Playsuit), bin aber bisher immer wegen der Preise zurück geschreckt :/

    2. Oktober 2017 um 12:23 Antworten
    • Muriel

      Das verstehe ich gut. Habe aufm Markt sonst keinen vergleichbaren Schnitt gefunden. Das eBook ist einen Tick günstiger.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      2. Oktober 2017 um 12:31 Antworten
  • Rehgeschwister

    Die Gelegenheiten für diesen Overall werden sich mit Sicherheit einstellen – ich jedenfalls bin schockverliebt!
    Liebe Grüße,
    Sandra

    2. Oktober 2017 um 17:14 Antworten
  • Muriel

    Vielen Dank ihr Lieben für eure netten Kommentare. Habe mich sehr darüber gefreut.
    Lieber Gruß,
    Muriel

    16. Oktober 2017 um 19:38 Antworten
  • Jasmin Schneider

    Hi Muriel,
    danke für den Hinweis auf Instagram auf deinen Blogbeitrag. Deine Erfahrungen helfen mir etwas weiter. Ich bin nämlich auch unsicher, ob der Größenpack B so richtig für mich ist. Die Hose sieht im Gegensatz zu anderen Schnitten enorm groß aus – v.a. der Schritt ist magahoch, das sagtest du ja auch. Leider kann ich den Schnitt nicht mehr umtauschen, ich hab ihn schon zu lange, aber ich denke, dass ich die Schnitteile einfach etwas verkleinere. Phew…, na denn, ich muss es wohl einfach mal testen (und weiß auch nicht, ob ich nicht ne Schrankleiche produziere…, wie oft hattest du das Teilchen schon an???) Heeheeeee!

    18. April 2018 um 11:23 Antworten
    • Muriel

      Hallo Jasmin,
      Du könntest den Schnitt ausmessen und mit einer passenden Hose vergleichen. Mir selbst hat es sehr geholfen, dann noch die Probeteile zu machen.
      Wann ich die Hose trage:
      Zur Arbeit würde ich die Hose nicht anziehen, da ist mir diese zu leger aber z.B. zu Nähtreffen (kommt bei mir öfters vor :-)) ziehe ich die Hose sehr gerne an. Ich trage die Hose öfters als ursprünglich angenommen aber nicht so häufig, als dass ich zwei davon bräuchte.
      Ich bin gespannt, auf deinen Overall 🙂
      Lieber Gruß,
      Muriel

      18. April 2018 um 18:22 Antworten
  • MeMadeMittwoch – Motto: Jumpsuit – Nahtzugabe5cm.de

    […] Wearing History Overall trage ich gerne bei Nähtreffen – ansonsten eher […]

    28. Juni 2018 um 20:25 Antworten
  • Ergebniss meines 2017er Nähmottos: “Hosen: Jumpsuit – Overall – Shorts” – Nahtzugabe5cm.de

    […] Wearing History Overall war ich anfangs sehr skeptisch gegenüber. Dieser ist doch sehr speziell und ich würde diesen auch […]

    30. Juni 2018 um 10:05 Antworten
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