Ausflug ins Miedermuseum – so war´s

Ich wollte euch noch von unserem Nähnerd-Ausflug ins Miedermuseum Heubach (Link zu einem PDF Flyer) berichten. Von uns aus, ist das schon eine Ecke weg aber in netter Begleitung von anderen Nähnerds nimmt man gerne mal eine länger Anfahrt in Kauf. Vor Ort haben wir dann noch den Rest der Truppe getroffen.

Für die Ausstellung wurden interessante Stücke rund um das Thema
Unterwäsche der vergangenen Jahrhunderte gesammelt. Die meisten
Kleidungstücke sind so ausgestellt, dass man diese von mehreren Seiten
begutachten kann.

Die Kuratorin der Ausstellung hat uns in einer Privatführung durchs Museum geführt, so hatten wir die Gelegenheit viel Fragen zu stellen. Die Führung sowie die Ausstellung war sehr interessant. Wer dort mal in der Gegend ist – sollte sich die Ausstellung unbedingt anschauen.

Für diejenigen, die dazu leider nicht die Gelegenheit haben, habe ich ein paar Bilder mitgebracht.

Historischer Webstuhl
Korsetts wurden früher auf speziellen Korsettwebstühlen hergestellt. Die
Stäbe wurden gleich miteingewoben. Auf dem nächsten Bild seht ihr so ein Korsett.
Diese Webstühle waren kompliziert zu bedienen und so wurden diese im Laufe der Zeit
durch modere normale Webstühle ersetzt und Korsetts wurden dann aus Einzelteilen
zusammen genäht.

Dies ist ein “Korsettwebstuhl-Korsett”. Wusste vorher gar nicht, dass es so etwas mal gegeben hat.
Aus dem Webstuhl kam quasi ein komplettes Korsett inkl. der Stäbe.
Musterbuch für Korsett Stickereien. Diese haben nicht nur dekorative Zwecke sondern verstärken, angebracht an den Stabenden, auch den Stoff und verhindern ein vorzeitiges nachgeben des Stoffes.
Falls Frau ein Korsett hatte, dass nach mehr Stütze verlangte, konnte man zusätzliche Stäbe
kaufen und nachträglich noch einnähen.
Ja, das ist ein ganz “spezieller” BH. Leider habe ich vergessen aus welcher Zeit dieser ist. Dieser ist in einer Zeit des Mangels
entstanden. Er wurde aus einem Herrenkleidungstück + etwas Handarbeit / Wolle hergestellt.

Nachdem wir auf der Ausstellungsfläche fertig waren, hatte Frau Hopfensitz noch ein paar ganz besondere Stücke für uns vorbereitet. Unter anderem ein hellblaues Unterkleid aus den 50er Jahren:

Solche Unterkleider findet man kaum mehr. Das Unterkleid wurde damals für einen Abschlussball gekauft.
Dieses könnte man heutzutage bestimmt als ganz normales Kleid tragen – würde nicht auffallen.
Unter dem Rock verstecken sich sogar noch Strumpfhalter.
Vielen Dank an Frau Hopfensitz für die interessante Führung.
Muriel
Von
8

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8 Kommentare

  • Sewing Galaxy

    :-)ich ahbe so ein shcnittmuster aus den 50-er- genau so ein unterkleid.
    was ich selbst gerne mal live oder als foto sehen würde, sie die damalige petticoats aussahen. ich ahbe was gehört, sie waren aus mehreren schichten, schaumstofflagen, zuckerwassergebügeltes nylon oder irgendwas…
    interessant mit dem webstuhl.. verstehen tue ich das nciht wirklich..insbesonderen wegen zu vielen einlagen und unterschiedlichen grössen…wie geht das?:-)andererseits würde es veielleicht erklären,warum es mit ausnahme von einem einzigen französischem buch gar keine überlieferungen gibt zu einem konstruktionesystem für ein korsett, obwohl man seit jahrhunderten welche getragen hat..

    5. August 2016 um 9:42 Antworten
  • Muriel

    Hallo Sewing Galaxy,
    das mit den ver. Korsettfragen war auch unsere Frage. Die Kuratorin meinte, dass diese kompliziert Technik des Korsettwebens nur von sehr wenigen beherrscht wurde und dass in der Regel nur sehr wenige verschiedenen Größen hergestellt wurden, da das Umstellen der Maschinen auf andere Größen sehr kompliziert war.

    Lieber Gruß,
    Muriel

    5. August 2016 um 10:33 Antworten
  • Anonym

    Vielen Dank für den Bericht mit den interessanten Fakten – und dem tollen Häkel-BH!
    Zur Konstuktion von Korsetts fand ich das Buch von Josephine Barbe "Figur in Form: Geschichte des Korsetts" gut, auf englisch gibt es auch welche, die sich mit Historic Patterns beschäftigen.

    5. August 2016 um 10:38 Antworten
    • Muriel

      Danke für die Büchertipps.
      Lieber Gruß,
      Muriel

      7. August 2016 um 18:40 Antworten
  • Onychophora

    Vielen Dank für die Bilder und den Bericht. Das sieht richtig spannend aus.
    Besonders die gewebten Korsetts find ich ja interessant.

    5. August 2016 um 14:01 Antworten
  • griselda

    Oh ja, das war so toll.
    Dass man fast 4 Stunden in ein paar kleinen Räumen zubringen kann ist den Erklärungen der tollen Kuratorin zu verdanken. Das war Textilgeschichte, Gesellschaftspolitik und Wissenswertes über Marketing. Eine unglaubliche Mischung.
    Danke Muriel, für die Organisation!
    (Der gehäkelte BH war zweiter Weltkrieg, oder? Die Farbe der Träger passt ja auch in diese Zeit.)

    6. August 2016 um 19:11 Antworten
  • Goldengelchen

    Der Häkel-BH ist ja mal krass!!!
    Das sieht nach einem spannenden und interessanten Ausflug aus!

    8. August 2016 um 10:13 Antworten
  • Podcastepisode Nr. 21 mit Daniela (DamnedSnob) vom ausfasernd Podcast – Nahtzugabe5cm.de

    […] Post zum Unterwäsche-Museum […]

    11. Juli 2018 um 13:11 Antworten
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