• “Watson” kann abdanken, jetzt regiert “Mara”

    Seit ich vor ca. 1,5 Jahren beim zweiten Versuch endlich erfolgreich einen Watson Bra genäht habe (nachdem ich den ersten Versuch aufgegeben hatte), hat sich der Schnitt zu meinem Lieblings-Daheim-Bralette-Schnitt entwickelt. Gerne genäht aus Jerseyresten, so wie dieser hier mit Stinktieren, den goldenen Punkten oder mit Fahrrädern. Meine anderen Daheim-BHs lagen quasi nur noch in der Schublade. Keiner war so bequem wie “Watson”.

    Nun aber wurde der “Watson” Schnitt von seinem Thron gestoßen, nämlich von der “Mara Bralette” von Studio Costura. Diesen Schnitt für eine Spitzen-Bralette gibt es schon länger, ich habe immer wieder überlegt, ob ich den brauche, aber die Motivation damit anzufangen hatte ich bisher nicht. Dann habe ich vor ein paar Tagen beim Instagram durchstöbern die rote Version von @birdy_sew_obsessed entdeckt. Diese Variante aus einem Scuba hat mich viel mehr angesprochen als die Varianten aus Spitze. Spitze verwende ich gerne für richtige BHs aber für daheim darf es Jersey oder ähnliches sein.

    Ich habe bisher keinen Schnitt von Studio Costure genäht und so musste ich erst meine Größe ermitteln. Sie verwendet die “Full Bust minus High Bust”-Methode. Diese Messmethode scheint bei Anderen gut zu funktionieren, bei mir kommt jedoch immer ein viel zu kleiner Cup raus. In diesem Schnitt wäre ich lt. Tabelle ein AA Cup.

    Bin froh, dass ich inzwischen erfahren genug bin, und weiß, dass ich es mit dieser Cupgröße gar nicht erst versuchen sollte. Ich habe dann die Cup-Teile mit denen des Watson verglichen und mich für den größten Cup im Schnitt, einem D-Cup, entschieden.

    Ich weiß nicht, wie viele Andere noch mit dieser (gebräuchlichen) Methode zur Größenbestimmung ihre Probleme haben, aber mich  hat es damals zu Beginn als BH- Anfänger-Näherinen ziemlich frustriert, dass ich mich zwar genau an die Anweisung gehalten habe aber “winzige” Cups dabei rauskamen. Also falls das bei euch auch so ist, lasst euch nicht entmutigen. Wenn ihr einmal darauf gekommen seid, wie viel ihr abweicht, lässt sich das gut auf andere Schnitte übertragen. Generell finde ich, es schadet nie Schnittteile  miteinander zu vergleichen.

    Ein paar Änderungen habe ich dann auch gleich eingebaut:

    • Das breite Unterbrustband vom Watson gefällt mir sehr gut, so habe ich das der Mara Bralette auch auf die “Watson”-breite verbreitert.
    • Das 70er bzw. 32″er Band vom Watson ist länger, also habe ich auch gleich das Band entsprechend verlängert. Dies wäre aber in diesem Fall aber dann doch nicht notwendig gewesen. Info folgt weiter unten im Text.
    • Für den hinteren Träger wollte ich gerne, dass das Trägerband wie normal, also in einer leichten Kurve verläuft. Diese habe ich auch vom Watson übernommen.

    Strenggenommen könnte man sagen, dass der hintere Teil vom Watson ist und nur vorne ist es eine Mara Bralette.

    Als Oberstoff habe ich mir einen dünnen Sportlycra ausm Bestand rausgesucht. Bei richtigen BHs schneide ich das Backband immer aus zwei Lagen Powernet zu, damit der BH länger hält. Da auf den Daheim-BHs nicht so viel Zug lastet, verwende ich an der Stelle gerne auch 1x Powernet als Futter und  1x den Oberstoff. Als Futter für die Cups habe ich einen sehr dünnen recht dehnbaren Powernet verwendet. Das war mal eine Internetbestellung, von der ich enttäuscht war, weil er eben zu dünn und zu dehnbar war, verglichen mit richtigem Powernet. Für diesen Einsatz am Cup ist dieses Powernet allerdings perfekt.

    Beim Zuschnitt ist mir aufgefallen, warum das hintere Band kürzer ist und ich die Verlängerung wahrscheinlich nicht gebraucht hatte. Normalerweise schneide ich das komplette Unterbrustband so zu, dass die stärkste Dehnung senkrecht verläuft und nicht waagrecht (wer die Videos von Beverly gesehen hat: “die DOGS gehen senkrecht”). Hier im Schnitt wird das vordere Band nach der Regel zugeschnitten aber beim hinteren Band verläuft die Dehnung waagrecht. Das gibt dem im Schnitt kürzeren Band wahrscheinlich die nötige zusätzliche Dehnung, um auf die Bandweite zu kommen. Habe es jetzt so zugeschnitten und genäht aber beim nächsten Mal würde ich eher das Band wieder wie gewohnt zuschneiden. Habe das Gefühl es hält dann länger, ohne sich auszudehnen.

    Bralette von innen. Man sieht das Bügelband das von unterm Arm unter der Brust entlang verläuft. Sowie senkrecht an den Nähten am Unterbrustband

    In der originalen Variante, welche im Schnitt aus Spitze genäht wird, sieht man keine Nahtzugabe innen. Da ich Falzgummi verwendet habe, habe ich eine sichtbare Nahtzugabe.

    Die Anleitung ist sehr ausführlich und mit vielen Tipps für Anfänger. Außerdem gibt es auch einen Sew-Along (habe ich erst nachm Nähen entdeckt). Bei der im Schnitt gezeigten Innenverarbeitung gibt es innen keinen sichtbaren Nahtzugaben. Da ich den Schnitt abgewandelt habe und in am inneren Cup Falzgummi verwendet habe, sieht man bei mir an der Stelle die Nahtzugabe. Da der Teil nicht auf der Haut aufliegt, stört es mich beim Tragen auch nicht.

    Der Bereich unterm Arm und am äußeren Cup wird eigentlich mit Unterarmgummi (Zierlitze) genäht. Ich habe dafür auch Falzgummi verwendet. Eigentlich hätte ich dann die Nahtzugabe an der Kante abschneiden müssen, aber die 6mm mehr Stoff in dem Bereich finde ich nicht störend es ist eher gut, wenn mehr eingepackt ist 🙂

    Was mir besonders an diesem Bralette Schnitt gefällt ist, dass die Brust durch die Verwendung von Bügelband (ohne eingeschobenen Bügel) gut gehalten wird. Wie man auf dem Foto oben sehen kann, läuft das Bügelband von unterem Arm unter der Brust entlang und schiebt so alles schön in die Mitte. Zusätzlich wird noch Bügelband an der senkrechten Naht vom Unterbrustband angenäht. Das gefällt mir sehr gut und macht besonders bei meiner verlängerten Variante Sinn. Allerdings fand ich das Annähen auf der linken Seite schwierig. Auf der rechten Seite sieht die Absteppung nicht soooo sauber aus, wie ich es gerne hätte. Da muss ich mir für die nächste Variante noch eine andere Methode überlegen, die mir besser liegt.

    Der Tragekomfort ist klasse. Alles wird gut an Ort und Stelle gehalten. Könnte mir aber trotzdem vorstellen, dass es bei hohen Temperaturen angenehmer ist einen Watson zutragen, da es dort zwei einzelne Cups gibt.

    Als ich dann die Fotos der Bralette machen wollte, fiel mir auf, wie toll das wäre, wenn ich dazu noch eine passende Panty nähen würde. Mache ich normalerweise für Daheim-BHs nicht. Nur richtige BHs bekommen die dazu passende Panty. Hier hat es sich aber falsch angefühlt nur den Daheim-BH zuhaben.

    Also habe ich meinen aktuellen Lieblingspanty-Schnitt (etliche Varianten findet ihr in diesem Blogpost (nach unten scrollen)), die Binky Panties von Evie La Luve herausgesucht und mich auch gleich an einer neuen Variante versucht. Nämlich der mit Cut-Outs im Vorderteil. Normalerweise bin ich recht schnell im Panty nähen aber diese Variante hat recht lange gedauert und war auch friemelig zu nähen.

    Bin dem fertigen Ergebnis ich nicht sooo zufrieden. Da sich das Falzgummi in dem Bereich des Cut-Outs, wo das Falzgummi nicht an Stoff angenäht wird, klappt es sich beim Tragen nach vorne um. Und die Cut-Outs sehen auch nur beim Stillstehen vorm Spiegel gut aus, sobald man sich bewegt, sitzt die Panty nicht mehr so gut. Der Effekt, der durch das Falzgummi entsteht, hingegen gefällt mir gut, könnte mir vorstellen noch mal eine Variante zu nähen in dem ich in den Cut-Out (Kontrastfarbenen)-Stoff/dehnbaren Tüll oder ähnliches vernähe. So könnte das Falzgummi daran angenäht werden.
    Da ich mir dachte, dass der Stoff meiner Schwester auch gut gefallen könnte, habe ich ihr auch gleich eine genäht. Zeitlich dauert das dann auch nicht wirklich viel länger.

    Schnitt: Mara Bralette (70D) von Studio Costura
    Material: Sportylycra, Powernet (Band), dünnes Powernet (Cups), Falzgummi, Unterbrustgummi, “endlos” BH-Verschluss, Ringe+ Schieber, BH-Träger, Bügelband
    Änderungen: Band verbreitert + verlängert und Trägerrundung hinten hinzugefügt, Falzgummi am inneren Cup, breiterer BH-Verschluss
    Fazit: Der Stoff für die nächste Variante liegt schon bereit. Ich brauche unbedingt noch weitere Mara Daheim-BHs.

    Schnitt: Binky Panties von Evie La Luve
    Material: Sportylycra, Falzgummi, Jerseyrest für Zwickel
    Änderungen: keine
    Fazit: wie oben geschrieben. Den Schnitt liebe ich, diese Variante eher weniger.

    Unterschrift Muriel

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