• Sew Comfy Bra: ein gemischtes Fazit mit Happy End?

    Wer mir schon (sehr lange) folgt, mag sich vielleicht noch dunkel daran erinnern, wie ich mit dem BH nähen angefangen habe. Das war 2015 durch den BH-Sew-Along von EbenJulia. Der erste BH-Schnitt, den ich verwendet habe, war der DL01 von MakeBra. Der Schnitt hat (nach meinem damaligen Wissensstand) gut gepasst und ich war sehr glücklich und stolz, dass ich es geschafft habe, einen richtigen BH zu nähen. Allerdings fand ich die Anleitung für den nicht gerade günstigen BH-Schnitt, in dem dann auch nur 3 Cupgrößen und 1x Bandgröße enthalten war, mehr als dürftig (Infos hier in diesem Post (im unteren Bereich)) und habe seitdem Abstand von der Marke gehalten.

    Vor kurzem hat MakeBra den “Sew Comfy Bra”-Schnitt veröffentlicht. Von diesem Schnitt sind in meiner Instagram Timeline etliche schöne Varianten aufgetaucht. Unter anderem hat “Daylb” die Bequemlichkeit des Bügel-BH-Schnitts in höchsten Tönen gelobt. Nach einem Austausch zu dem Schnitt via Dirktnachrichten war für mich klar, den Schnitt probiere ich aus und gebe MakeBra noch eine Chance.

    Ich wurde dann gleich positiv überrascht, dass bei dem Schnitt alle Größen enthalten sind und man sich nicht mehr wie in der Vergangenheit auf eine Bandgröße mit 3 ver. Cups festlegen muss. Desweiteren gab es tatsächlich 🙂 eine richtige Anleitung dafür, welche einen sehr professionellen Eindruck machte, und dank PDF-Datei mit verschiedenen Layern kann man gezielt auch nur die benötigte Größe ausdrucken.

    Ich habe bisher noch keinen so bedeckenden Bügel-BH genäht. Normalerweise gehen meine BHs eher in Richtung “Balconette”. Somit war ich neugierig, ob mir dieser Stil überhaupt steht. Der Tragekomfort dieses Schnittes steht im Vordergrund und so habe ich mich für möglichst bequeme Materialen entschieden. Ein Reststück eine Sommersweats gefüttert mit Powernet. Aus dem Sweat habe ich bereits einen “Still-“Hoodie genäht (nicht aufm Blog, da er nicht für mich war).

    Nun zur Größenfindung: Laut Maßtabelle sollte ich eine 70C nähen. Die Cupteile kamen mir aber sehr klein vor, sodass ich einen schnellen Probecup aus Jersey genäht habe und siehe da, der Cup war trotz des sehr dehnbaren Jersey viel zu klein. Habe mich dann nach Augenmaß für 70F entschieden und daraus noch einen Probecup genäht. Dieser passte vom Volumen schon sehr gut.
    Anmerkung: wenn man noch nicht so viele BHs genäht hat, empfiehlt es sich bei Probecups, auch das spätere Material zu verwenden. Ich kann das inzwischen recht gut abschätzen.
    In der Anleitung wird noch ein weiterer Weg erwähnt, mit dem das Cupvolumen ermittelt werden kann. Dazu werden die Maße von einem (Kauf-)BH verwendet.

    Das Bandschnittmuster habe ich mit meinem aktuellen Lieblingsbralette-Schnittmuster verglichen – der “Iris Bralette” von Primrose Dawn. Das hat bis auf meine übliche Änderung (Info weiter unten) gepasst.

    Ja, das Unterbrustband verläuft mit Absicht innerhalb des Cups 🙂

    Der besondere Clou an dem Schnitt ist, dass das Gummiband dreimal nach oben umgeschlagen wird und dann in die Cups hineinragt. Hätte ich vorab nicht die guten Rezensionen der erfahrenen BH-Näherinnen gelesen, hätte ich mir das nicht vorstellen können, dass das bequem sein könnte.

    Alles in Allem hatte ich beim Nähen an dem Schnitt ein paar Kritikpunkte, sodass ich mir – als der BH fertig war – die Zeit genommen und MakeBra angeschrieben habe. Folgende Punkte sind mir aufgefallen (die zusammengefasste und übersetzte Antwort von MakeBra steht jeweils kursiv bei den Punkten):

    • Die Nahtzugabe ist nur teilweise eingezeichnet. So fand ich es irritierend, dass im Bereich unterm Arm eine 8mm “Hem” war, obwohl dort Falzgummi verwendet wird, aber am Cupausschnitt, bei dem auch Falzgummi verwendet wird, keine Nahtzugabe enthalten ist (was korrekt ist).
      || Das Falzgummi soll so angenäht werden, dass es später komplett innen liegt und von außen nicht sichtbar ist. Somit ist eine Nahtzugabe an der Stelle notwendig.||
      Diese Methode hat sich mir beim Lesen der Anleitung nicht erschlossen und gefällt mir an der Stelle auch nicht. Ich möchte unter dem Arm kein innen liegendes Falzgummi haben. Habe auf Instagram geschaut und von 18 Personen, die den Schnitt genäht und Fotos gemacht haben, auf denen man diesen Bereich sieht, haben 2/3 das Falzgummi normal angenäht und 1/3 sind der Anleitung gefolgt.
    • Am Unterbrustband gab es keine Passmarke, wo die Cupnaht hin soll.
      || Die Markierung war während des Probenähens noch vorhanden, diese hat jedoch die Näherinnen irritiert, da der Cup nicht gut im Band saß und wurde wieder entfernt. ||
      Bei anderen BH-Schnittmustern scheint das mit der Markierung an der Stelle besser zu klappen. Ich finde die Markierung wichtig.
    • Die Information zu der Richtung des Stretches (Direction of greatest stretch – DOGS) fehlt fürs Unterbrustband. Dies habe ich dann anhand des Lageplans herausgefunden. Bei den anderen Schnittteilen findet man die Information direkt auf dem Schnittteil.
      || Die Richtung des Stretches ist bei diesem Schnittteil nicht wichtig, deswegen wird es nicht erwähnt ||
      Meiner Meinung nach macht es schon einen Unterschied an der Stelle und ich persönlich bevorzuge es, im hinteren Band möglichst wenig Stretch zu haben.
    • Gerade bei BH-Schnitten, bei denen man gerne mal versch. Cupgrößen ausprobiert, finde ich es wichtig, dass die Größe auf jedem Schnittteil steht. Dies ist bei dem Schnitt jedoch nur beim Band so. Bei allen anderen Teilen muss man, obwohl genug Platz wäre, selbst die Größe notieren.
      || Die Information auf dem Schnitt aufzuführen wäre aufgrund des Layerings des Schnittmusters zu aufwändig gewesen.||
      Dieses Argument kann ich nicht nachvollziehen, da die Infos zu den Größen sich sehr wohl auf der jeweiligen Seite befindet, jedoch außerhalb der Schnittteile oben sehr klein am Rand. Warum sich diese Information nicht innerhalb des Schnittteils befindet, erschließt sich mir trotz der Erklärung nicht.
    • Ringe & Schieber: In der Materialübersicht wird 1 Set “Ringe & Schieber” aufgelistet. Weiter hinten in der Anleitung wird jedoch nur gezeigt, wie man entweder die Träger mit sechs Schiebern oder mit zwei Ringen und vier Schiebern näht (also 1,5 Ringe & Schieber-Sets). Der Punkt kann gerade für Anfänger irritierend sein.
      || Der Punkt wird in der Anleitung überarbeitet ||
    • BH-Verschluss: Bei allen BH-Schnittmustern, welche ich bisher genäht habe, verläuft der BH-Verschluss im 90°-Winkel zur unteren Kante (Unterbrustgummiband). Bei diesem Schnitt sitzt der Verschluss leicht nach unten geneigt. Das erschließt sich mir nicht und ich habe diese Kante begradigt.
      || Diese Neigung ist Absicht im Schnitt. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn diese Kante begradigt wurde||

    Des weiteren habe ich folgende Änderungen vorgenommen:

    • Cups:
      • Das Futter für die Cups soll lt. Schnitt aus dem Oberstoff zugeschnitten werden. Ich verwende für Cups lieber ein (leichtes) Powernet.
      • Im Schnitt ist vorgesehen, das Futter und den Oberstoff als eine Lage zu nähen. Dadurch würde die Nahtzugabe innen sichtbar sein. Ich nähe die Naht lieber so, dass die Nahtzugaben zwischen den Stofflagen liegen. Sieht innen auch schöner aus (siehe Foto mit Innenansicht (weiter oben)).
      • Der Cup wird eigentlich mit einem Zickzack abgesteppt. Dies gefällt mir optisch an der Stelle nicht so gut und ich habe die Naht mit einem Geradstich abgesteppt.
    • Unterbrustband:
      • Nahtzugabe an der unteren Kante am Unterbrustgummi geändert, da ich ein 0,5cm schmaleres Gummiband als im Schnitt vorgesehen verwendet habe. Da die untere Kante mehrmals nach oben geklappt wird, habe ich insgesamt 1,5cm entfernt.
      • Den Mittelsteg (Bridge) habe ich verschmälert. Das ist eine der üblichen Änderungen, welche ich an BH-Schnitten machen muss, damit der BH in dem Bereich gut anliegen kann.
      • Aus Stoffmangel habe ich das Unterbrustband nicht im Bruch zugeschnitten, sondern in der vorderen Mitte eine Nahtzugabe hinzugefügt.
    • Generell:
      • Ich habe den 8mm “Hem” an der Außenseite des Cups und im Bereich des Armes entfernt. Da ich zum einen das Falzgummi anders als in der Anleitung vorgesehen angenäht habe und mein BH-Bügel etwas kürzer ist als im Schnitt vorgesehen. Hätte da noch mehr wegnehmen können. Das mache ich das nächste Mal auch.
      • Träger: Anstelle der oben beschriebenen Methode mit den sechs Schiebern bzw. 1,5 Ringe& Schieber-Sets, habe ich die Träger so angenäht, dass Ring und Schieber vorne sitzen und es hinten keinen zusätzlichen Ring/Schieber gibt.

    Alles in allem finde ich 15,90€ für ein Schnittmuster, an dem ich so viele “Meckerpunkte” habe, etwas zu viel, aber die nette und offene Art von MakeBra, auf meine Kritikpunkte einzugehen und der sehr bequeme Sitz haben mich wieder mit dem Schnitt versöhnt.

    Die Passform ist wirklich gut. Es schneidet nichts ein und zeichnet sich auch nichts ab, obwohl ich einen eher dicken Stoff verwendet habe. Ungewohnt für mich ist noch, dass der BH in der vorderen Mitte so hoch ist. Mal sehen, ob ich mich daran gewöhne oder ich den Bereich beim nächsten Mal anpasse.

    Schnittmuster: Sew Comfy Bra (70F) – MakeBra
    Material: Rest von Sommersweat, Powernet (starkes fürs Unterbrustband), Powernet (leichtes für Cups), Ringe und Schieber, Bügelband, Falzgummi, 2,5cm breites Unterbrustgummi, BH-Verschluss, BH-Träger, BH-Bügel “vertical wire 38” (Bwear), nicht dehnbarer Tüll (Mittelsteg)
    Änderungen: siehe Text
    Änderungen fürs nächste Mal: Bereich unterm Arm an die Länge des BH-Bügels anpassen
    Fazit: Da ich nun alle Stolpersteine kenne und der BH so bequem ist, werde ich sicherlich noch weitere Versionen nähen.

    Passend dazu gab es mal wieder eine Binky Panties:

    Schnittmuster: Binky Panties (Evie La Luve)
    Material: Rest von Sommersweat, dehnbare Spitze, Falzgummi, Jerseyrest für den Zwickel
    Änderungen: keine
    Fazit: Dieser Schnitt ist immer noch mein Lieblingspantyschnitt.

    Unterschrift Muriel
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